Ein anderer Märtyrer ist Robert Mathews. Er war Gründer der Silent Brotherhood, in Amerika auch unter dem seltsamen deutschen Namen "Brüder Schweigen" bekannt, eine Splittergruppe der Aryan Nations. Sie nennt sich auch The Order, nach der Organisation im Neonaziroman "The Turner Diaries", wo sie die verräterische Regierung stürzt und endlich Ordnung schafft, ein christliches Amerika gründet.

Mathews flüchtete im März 1985 zusammen mit Tier Blutsbrüdern auf die kleine Whidbey-Insel im Staate Washington, verfolgt vom FBI wegen Mordes und Raubüberfalls. Es kam, ähnlich wie bei Gordon Kahl, zu einem Feuergefecht. Die vier Order-Mitglieder ergaben sich, doch Mathews blieb verschanzt, bis eine Leuchtbombe die im Hause gelagerte Munition explodieren ließ.

In den Ruinen fand das FBI Sabotagepläne gegen Stauwerke, Transformatorenstationen und Telephonzentralen. Je mehr Order-Mitglieder verhaftet wurden, je mehr Gewaltakte vor Gericht kamen, um so schwerer war zu unterscheiden, welcher Neonazigruppe die Täter angehörten. Aryan Nations ist die Dachorganisation von etwa zwölf rechtsextremen Gruppen. Eine Photographie in ihrem Hetzblatt zeigt einen Kämpfer in Uniform, blauem Hemd, Armbinde mit einem leicht abgeänderten Hakenkreuz, schwarzen Stiefeln, Schulterriemen mit Revolver; er steht Ehrenwache auf einem Kameradentreffen.

Es waren Order-Mitglieder, die im Juni 1984 in Dallas den jüdischen Radiokommentator Alan Berg ermordeten, die ungefähr zur selben Zeit bei einem Banküberfall 25 000 Dollar, bei paramilitärischen Überfällen auf Geldtransportwagen mehr als vier Millionen Dollar erbeuteten. Die von einer schattenhaften "Arischen Widerstandsbewegung" unterschriebene "Kriegserklärung" an das Zog, Zionist occupation government, wie die Regierung bezeichnet wird, gehört dem Schriftsatz all dieser Organisationen an. Louis Beam von den Aryan Nations war früher Klan-Führer in Texas, er betreut jetzt eine in allen Gruppen zirkulierende, computerisierte Feindesliste mit Namen und Adressen jüdischer Organisationen, prominenter Juden, Kommunisten und Liberaler, Fernseh- und Radiokommentatoren.

Es ist schwer zu unterscheiden zwischen dem politisch-paramilitärischen und dem "christlichen" Arm der Aryan Nations. Reverend Richard Butler, Führer der Arischen Nationen, war zugleich Leiter der antisemitischen Sekte "Kirche Jesu Christi", nach ihrer Vierteljahresschrift auch als Identity bekannt, die vor 45 Jahren von einem Ku-Klux-Klan-Mitglied gegründet worden ist.

Heute steht der Christian Identity der Reverend Potter Gale vor. Seine Kirche predigt den Haß auf Juden, diesen "Kindern des Satans, Abkömmlingen Kains". Jesus war kein Jude, die arischen Angelsachsen sind die verlorenen Stämme Israels, das Gelobte Land ist Amerika. "Wir dürfen nicht wie ängstliche Schafe zuschauen, wie selbsternannte Humanitätsapostel Krokodilstränen vergießen über die Benachteiligten und höhnend das Gesicht unserer Kinder in den Dreck drücken, um Gleichheit zu schaffen", predigte Richard Butler in der Kirche der "Identität".

Die Kirche steht auf dem Gelände des Hauptquartiers der Aryan Nations in Hayden Lake im Staate Idaho; der Wegweiser erinnert daran, daß der Zutritt nur Weißen gestattet ist. Die Einfahrt wird von Bewaffneten in Naziuniform bewacht. Im Gesellschaftsraum der Kirche sind Flugblätter wie das der Metzgerschen War oder die Hetzbroschüre "Der arische Kämpfer" und eine Auswahl rassistischer Bücher aufgestapelt.