Neonazis und Klan-Führer sind oft in Hayden Lake, seinerseits besucht Aryan Nations-Führer Richard Butler regelmäßig die jährliche Klan-Zusammenkunft in Tennessee. Die Fänge der Aryan Nations reichen bis in die Zuchthäuser hinein; unter den vielen prison gangs ist die "Arische Brüderschaft" eine der berüchtigsten. Mit ihrem Terror wollen sie die weiße Herrschaft auch in der mehrheitlich schwarzen und braunen Sträflingsgesellschaft erzwingen.

er Schwerpunkt der rechtsextremistischen Bewegung hat sich vom Klan zu den Skinheads sowie "arischen" und "christlichen" Haßorganisationen hin verlagert. "Der Klan machte in der Vergangenheit den Fehler, daß er das Böse in den Negern sah", schrieb Thomas Robb, Herausgeber des Klan-Informationsblattes The Torch ("Die Fackel"). "Im Hinterhof Neger jagen ist dumm. Es ist nicht der Neger, der für das Böse in unserem Land verantwortlich ist, sondern die Regierung, die Verräter in Washington." Das bedeutet freilich nicht, daß der Haß des Klans auf die Schwarzen nachgelassen hätte; Demonstranten in Kutten entzünden überall zwischen Kanada und Mexiko ihre flammenden Kreuze, um Schwarze einzuschüchtern, zu bedrohen und zu verjagen.

David Duke versucht zwischen dem Rassenhaß der Straße und dem Rassismus der guten Gesellschaft eine Brücke zu bauen. Seine Karriere begann er in den sechziger Jahren an der Universität von Louisiana in der Studentenorganisation der amerikanischen Nazipartei. Nach dem Studium schloß er sich dem Klan an und brachte es bis zum Leiter der nationalen Dachorganisation. Er versuchte, einen "Neuen Klan" zu schaffen, das 127jährige Image zu modernisieren, nannte sich "nationaler Direktor" und nicht wie üblich "imperialer Magier", erschien im Anzug statt in Kittel und Kapuze und nahm das erste Mal in der Klan-Geschichte Frauen und Katholiken in die Organisation auf. 1980 verließ er den Klan und gründete den Nationalen Verband zur Förderung der Weißen, den er als Sprungbrett zum Eindringen in das politische Establishment benutzte, zuerst in Louisiana mit überraschendem und erschreckendem Erfolg, dann in 1988 und 1991 als republikanischer Gegenkandidat zu George Bush.

Duke verfolgt eine Doppelstrategie. Einerseits gibt er sich als gemäßigter Konservativer mit einem noch fast salonfähigen Rassismus – er sei gegen die Bevorzugung der Neger, Mißbrauch der Sozialhilfe und linkes Übergewicht in den Medien. Andererseits wirbt er im Kreise seiner Aktivisten für die Herrschaft einer Herrenrasse, die von Gruppen weißer Suprematisten herbeigeführt werden soll. Er ist 42 Jahre alt, machthungrig, photogen und noch keineswegs am Ende seiner politischen Laufbahn.

Die Skinheads sind die auffälligste Gruppe im Neonazi-Spektrum; immer wieder erscheinen sie in Zeitungsberichten über Hakenkreuzschmierereien, Raufereien, Brandstiftung und Mord. Sie haben keine zentrale Organisation, zerfallen in nur lose zusammenhängende Gruppen, deren Mitglieder sehr mobil sind und die überall auftauchen, wo andere rassistische Organisationen Gewaltakte planen. Sie werden ihrer Jugend wegen von den althergebrachten Neonazigruppen umworben. Die Skinheads hören White Power-Rockmusik mit rassistischen Texten, die sie unter anderem aus Deutschland beziehen, die Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League nennt sogar die Vertriebsanschrift: Rock-O-Rama, Kaiserstraße 119, 5040 Brühl.

Die achtziger Jahre brachten den Rechtsextremen eine Reihe von Rückschlägen. Die neonazistische Order wurde von der Polizei zerschlagen, nachdem Dutzende ihrer Mitglieder wegen Mordes und Raubüberfalls verurteilt worden waren; der Posse Comitatus ließ seit dem "Märtyrertod" von Gordon Kahl kaum etwas von sich hören; die Überlebensgruppe der "weißen Patrioten", die in abgelegenen Verstecken den bewaffneten Widerstand gegen die kommunistische Invasion Amerikas probten, haben mit dem Zerfall der Sowjetunion an Attraktivität eingebüßt; dem Weißen Arischen Widerstand Tom Metzgers wurde durch den Mordprozeß gegen seine Jünger die finanzielle Basis entzogen; der Klan zerfiel in einen radikalen und einen reformistischen Flügel und verlor ein Drittel seiner Anhänger. Die Rückschläge wurden jedoch wettgemacht durch die Verbreitung der Skinheads, durch neue Neonazigruppen, welche die Volksgenossen aus den zerfallenden, geschwächten Organisationen aufnehmen, durch die Haß-Kirchen, deren christlicher Anstrich polizeilichem Eingreifen vorbeugen soll.

Es ist die Rezession, die jetzt wieder Wasser auf die Mühlen der Neonazis treibt. Ein sichtbares Zeichen dafür war das Wildwestdrama um Randy Weaver im August und September dieses Jahres.