Der Neonazi Weaver handelte mit Schußwaffen für den Rassenkampf. Als er eine Ladung von illegalen Maschinenpistolen verkaufen wollte, war der vermeintliche Interessent ein Geheimagent des FBI. Statt vor Gericht zu erscheinen, flüchtete Weaver mit Frau und vier Kindern nach Idaho, wo viele Neonazis leben. Das FBI stöberte sein Versteck auf, es begann eine lange Belagerung. Die Polizei wollte die Hütte nicht stürmen, um die Kinder nicht zu gefährden. Dann wurde doch geschossen. Ein Polizist, die Frau und der 13jährige Sohn starben; Weaver hob die Hand zum Hitler-Gruß und ließ sich abführen.

Vier Skinheads wurden verhaftet, weil sie während der Belagerung Waffen in die Hütte zu schmuggeln versuchten. Hunderte von Mitgliedern und Mitläufern der Identity, Aryan Nations, der weißen Suprematisten demonstrierten täglich gegen die Polizei. Tafeln verkündeten: "FBI, geht heim, schmort in der Hölle", "Zionistische Mörder", "Verräter". Der Pfarrer einer rassistischen Baptistensekte rief: "Randy Weaver ist ein Patriot, ein guter Christ, kein Krimineller."

Eine Nachbarin faßte die Stimmung der Menge zusammen: "Wir alle wollen die Reinheit der weißen Rasse bewahren, wir zogen nach Idaho, um unserem Traum eines Lebens frei von Korruption, Sünde und Regierungseinmischung zu folgen. Wir lassen es nicht zu, daß die Regierung die göttlichen Gesetze usurpiert. Ich bin stolz auf Randy Weaver." Weaver wurde ein Volksheld, seine Frau und sein Sohn sind die jüngsten Namen auf der Märtyrerliste.

Auch der rechte Flügel der Republikaner baut seine Brücken nach äußerst rechts, freilich verschämter und verschlüsselter. Die Reden auf dem republikanischen Parteikongreß des bekehrten Bush-Rivalen Pat Buchanan und des Pfarrers Pat Robertson sind jedoch deutlich genug. Im Gegensatz zum vulgären Antisemitismus drückt sich Buchanan feiner aus. Während des Golfkrieges beschuldigte er die Juden, "die Trommeln zu rühren für einen Krieg, in dem junge Männer mit amerikanischem Namen sterben". Er bezeichnete die US-Regierung zwar nicht als Zionist occupied government, doch er nannte den Kongreß Israeli occupied territory. Er sprach nicht von "gottlosen Liberalen" und "verjudeten Medien", wie unter Neonazis üblich, aber er wetterte gegen die "Träger der liberalen Kultur mit ihrer unerbittlichen Feindschaft gegen die christliche Lehre", gegen "die Schulen, aus denen Gott und Bibel vertrieben sind", gegen "Filme und TV-Sendungen, wo rohe Gewalt romantisiert, Rockkonzerte, wo Lüsternheit und Polizistenmord besungen werden".

Auch dem Reverend Pat Robertson, einem glücklosen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, mißfallen die "Krokodilstränen der Humanitätsapostel", wie Reverend Butler von der Aryan Nations spöttelte. Es sei an der Zeit, forderte er in einer Parteitagsrede, daß Amerika seine Linken loswerde und mit der liberalen Pest der Gleichmacherei Schluß mache. Feminismus, so befand er, "ermutigt die Frauen dazu, ihre Männer loszuwerden, ihre Kinder zu töten, Zauberei zu treiben, den Kapitalismus zu zerstören und lesbisch zu werden".

"It Can’t Happen Here" hieß der Roman von Sinclair Lewis, veröffentlicht 1936, zur Blütezeit des europäischen Faschismus. Auch heute ist es in Amerika nicht möglich, die Erfolge des deutschen oder französischen Rechtsextremismus einfach zu kopieren; die in Freiheit geborene Geschichte und die demokratische Tradition stehen im Weg. Die Zahl der Rechtsextremisten bereitet kaum Sorgen, verläßliche Schätzungen lauten auf 250 000, ein Tausendstel der Bevölkerung, und auch davon sind nur etwa zehn Prozent organisierte, aktive Mitglieder; die übrigen sind Mitläufer. Andererseits darf die Affinität des Buchanan-Robertson-Flügels der Republikanischen Partei zur ultrarechten Ideologie nicht übersehen werden.

Und die Neonazi-Ideologie gewinnt in der wirtschaftlichen Rezession an Attraktivität. Je schlechter es dem Mittelstand geht, desto anfälliger ist er für politische Wunderheiler, die immer nur schwarz- oder rotsehen und das Blaue vom Himmel herunter versprechen.