Der vorsichtige Optimismus, der in den vergangenen Wochen in den deutschen Börsensälen herrschte, ist verschwunden. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fällt deutlich nach unten. Daran sind weniger die auch nach dem jüngsten Realignment im Europäischen Währungssystem (EWS) noch nicht zur Ruhe gekommenen Devisenmärkte schuld, sondern vielmehr die Nachrichten aus den Unternehmen.

Wer darauf gesetzt hatte, der Abwertung von Peseta und Escudo würde noch in diesem Jahr eine Leitzinssenkung der Bundesbank folgen, kann seine Hoffnungen wegen der gestiegenen Geldmenge wohl zu Grabe tragen. Eine nachhaltige Senkung der Renditen am Rentenmarkt wird nicht mehr erwartet – auch wenn weiterhin mit Auslandsgeldern zu rechnen ist, die in der Mark Zuflucht suchen. Der Bundesfinanzminister hat die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und die Zinsen der Bundesobligationen und Bundesschatzbriefe noch einmal zurückgenommen.

Der Aktienmarkt wurde von dem Ergebniseinbruch beim Volkswagenwerk belastet, vor allem aber auch durch die Prognose, daß sich der Absatz im kommenden Jahr weiter verschlechtern wird. Unter diesen Umständen ist der VW-Tarifabschluß mit einer rund fünfprozentigen Steigerung an der Börse auf Unverständnis gestoßen. Die ohnehin labilen Kurse der Autowerke erlebten einen neuen Kursrutsch.

Gleiches gilt für die Chemiewerte. Die Großchemie hat ebenfalls in diesen Tagen ihre Ergebnisse für die ersten drei Quartale 1992 veröffentlicht. Beunruhigt hat bei BASF, Bayer und Hoechst, daß sich die Gewinneinbrüche im dritten Quartal verschärft haben. Besserung ist nicht in Sicht. Hier – wie auch bei VW – sind Dividendenkürzungen unausweichlich geworden.

Das dritte Quartal hat auch Mannesmann zu schaffen gemacht. Dazu haben allerdings die erheblichen Vorlaufkosten für den Mobilfunk beigetragen. Gleichwohl stellen sich die Börsianer auch hier auf eine niedrigere Dividende ein.

Nun wird mit Spannung auf die Herbstkonferenzen der Großbanken gewartet. Sie könnten für die Börse einige Lichtpunkte bringen. Niemand erwartet indessen, daß diese hell genug sein werden, um eine Jahresschluß-Rallye auszulösen, auf die bis vor kurzem noch die Mehrzahl der institutionellen Anleger gehofft hatte. K.W.