Von Gunter Hofmann

Bonn

In Wahrheit geht es doch, "meine Damen und Herren, um die Liquidation einer gescheiterten Politik. Das ist schmerzlich für die, die in diese Politik große Hoffnungen gesetzt haben. ... Uns stimmt der Anblick, den Sie bieten, nicht schadenfroh, zu keiner Minute, in dieser lange schwelenden und nun so offen eiternden Krise."

Ungehaltene Reden ungehaltener Männer können auch ihren Reiz haben. Aber so redet nicht der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Klose, so sprach vielmehr Herbert Wehner. Das war 1966, die Unionsregierung steckte tief in der Krise, eine Große Koalition stand vor der Tür.

Ach, Wehner! Einerseits liegt auch jetzt so etwas wie Große-Koalitions-Stimmung in der Luft, die Situation ist in manchem vergleichbar. Herbert Wehner, damals schon längst eine dominierende Figur der SPD, lockte knurrend und gurrend die Union in die Arme der Sozialdemokraten. Andererseits aber gehört der "Zuchtmeister & Kärrner", wie er sich gerne nannte, nicht zufällig zu den großen Vergessenen. In Wahrheit wünschen sich auch diejenigen, die heute an Wehner erinnern, keinen Fraktionsvorsitzenden aus solchem Stoff an die Spitze zurück.

Eher schon trauern einige Kloses Vorgänger Hans-Jochen Vogel nach. Was sie an ihm hatten, hat der Altmeister jüngst in einer großen Rede beim Parteitag der SPD in der Bonner Beethovenhalle den jungen Helden vorgemacht. Aber auch die Vogel-Nostalgie, die unter Sozialdemokraten gelegentlich mitschwingt, hält weiteren Nachfragen kaum je stand.

Sicher fehlt den "Enkeln" der Nimbus der großen Alten. Aber die hatten ihn auch nicht von Anbeginn, und im übrigen, so tröstete Willy Brandt einmal die Nachfahrenden, lassen sich Lebensläufe ja ohnehin "nicht auf Flaschen ziehen".