Die Deutsche Steuergewerkschaft hat in der vergangenen Woche eine alarmierende Statistik veröffentlicht. Ihr zufolge hat der Fiskus im vergangenen Jahr 146 Milliarden Mark durch Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung verloren. Schuld daran sei vor allem der Personalmangel in den Finanzämtern. Insgesamt, so die Steuergewerkschaft, fehlten dort rund 42 000 Mitarbeiter. Haben die Verantwortlichen geschlafen?

FUGMANN-HEESING: Die Unterbesetzung der Finanzämter ist nicht auf Versäumnisse der Finanzminister zurückzuführen. Es ist ja nicht so, daß es zuwenig Stellen gäbe. Unser Problem besteht im Gegenteil vor allem darin, die freien Stellen mit Fachkräften zu besetzen. In Hessen zum Beispiel sind derzeit 4,5 Prozent der Planstellen in den Finanzämtern vakant.

Sterben die Finanzbeamten aus?

FUGMANN-HEESING: Wir haben keine Probleme, was den Nachwuchs angeht: Für den mittleren Dienst haben wir in diesem Jahr schon doppelt soviel, für den gehobenen Dienst sogar schon dreimal soviel Bewerber wie noch 1989. Unsere Schwierigkeit liegt darin, daß viele Mitarbeiter ihre Kenntnisse nach der Ausbildung lieber in der Privatwirtschaft anwenden als in den Finanzämtern.

Wie kommt es zu dieser Behördenflucht?

FUGMANN-HEESING: Wenn es um besonders gut ausgebildete Fachkräfte geht, sind wir nicht in dem Maße konkurrenzfähig, wie es nötig wäre. Es ist immer das gleiche: Wir bilden die Finanzbeamten aus, und in Zeiten guter Konjunktur wirbt die Wirtschaft uns die Berufsanfänger ab. Der öffentliche Dienst weist eben andere Gehaltsstrukturen auf als die Privatwirtschaft.

Wäre es nicht an der Zeit, die Fachleute mit höheren Grundgehältern und Prämien zu locken?