Helden, Weihe, Opfer und Ehre – am 26. September 1926 waberten diese Worte durch die kleine hinterpommersche Ackerbürgerstadt Massow, untermalt von Fahnengeflatter und Glockengeläut. Das Heldendenkmal wurde in einem eigens angelegten Heldenhain eingeweiht, ein wuchtiges, hufeisenförmiges, burgähnliches Bauwerk aus handgeformten Klinkersteinen, oben offen. Nach Osten wies ein riesiges, weiß umrandetes Schwert.

Bei den Rednern war das nationale Pathos meist noch dicker als die Ehrenmalmauern. Der Pastor: "Hier gedenken wir deutschen Heldentums, deutschen Opfersinns und deutscher Treue bis in den Tod..." Der Rektor: "Noch nach vielen hundert Jahren wird dieses Ehrenmal kommenden Geschlechtern von dem heldenhaften Ringen unserer Gefallenen erzählen..." Der Landrat a.D.: "Schärfen Sie das deutsche Schwert!"

Als ich, 64 Jahre später, in Begleitung einer jungen Polin in die Nähe des Denkmals kam, sagte sie: "Hinter den großen Bäumen liegt eine alte deutsche Burgruine. Dort spukt es." Das alte Ehrenmal zeigte sich in der Bausubstanz noch halbwegs erhalten, eine in all ihrer Sinnlosigkeit imposante Ruine.

Als der rührige Massower Heimatbund nach den jährlichen Treffen in der Patenstadt Mölln immer häufiger mit vielen Massowern nach Maszewo fuhr und die polnische Bürgermeisterin zum Heimattreffen nach Mölln einlud, wo sie herzlich empfangen wurde, tauchte die Frage auf: Was tun mit dem alten Denkmal? Der Vorsitzende des Heimatbundes, Siegfried Projahn, Mölln, kam mit der Bürgermeisterin von Maszewo, Jadwiga Ferensztajn, überein, das Denkmal zu renovieren und in eine deutsch-polnische Gedenkstätte umzuwandeln mit folgender Inschrift:

Gegen Krieg und Völkerhaß. Für ein friedliches Miteinander. Zum Gedenken der deutschen und polnischen Opfer der Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945. Den Lebenden zur Mahnung und Versöhnung. 1926 in Massow erbaut, 1992 in Maszewo in deutsch-polnischer Zusammenarbeit renoviert.

Fleißig spendeten Massower Bürger für diese Gedenkstätte. Auch Mölln, das Land Schleswig-Holstein und die Bundesregierung fanden das Objekt förderungswürdig, weil es der Völkerverständigung diene.

Das stimmt: Man kam sich auch menschlich näher. Der Vorstand des Massower Heimatbundes tagte in Maszewo; in diesem Sommer haben gemeinsame Sportveranstaltungen, ein Schachturnier und ein Freundschaftsangeln im Massower See stattgefunden.