Zuweilen sucht die Wahrheit verschlungene Wege, um auf sich aufmerksam zu machen: Gut 50 000 Bauern demonstrierten in Bonn für ihr Recht, durch subventionierte Rapsexporte amerikanische Sojafarmer zu schädigen. Dabei trug es sich zu, daß ein paar der Demonstranten mittels ausgestreuter Nägel eine Rheinbrücke blockierten, nicht bedenkend, daß diese laut Regie wenig später ein Konvoi von 250 Traktoren passieren sollte, um eine Resolution in der amerikanischen Botschaft abzugeben. Nun mußte der Konvoi auf die Stadtreinigung warten, die Bauern wurden ausgelacht.

Ein schönes Gleichnis. Ähnlich wie auf der Rheinbrücke blockieren sich die Bauern immer wieder selbst. Ihre Funktionäre setzten die Absurditäten der heutigen Agrarpolitik durch: Subventionen, die die Wertschöpfung übersteigen, Marktpflege durch Produktvernichtung und im Ergebnis ruinöse Weltmarktpreise. Und dies, während immer mehr Verbraucher über die Produkte dieser Landwirtschaft murren, Böden mit Nitraten überlastet sind und junge Bauern schlechtere Perspektiven haben denn je.

Um all dies zu verteidigen, riskieren bäuerliche Interessenvertreter nun einen Handelskrieg, der jenen Wohlstand gefährdet, aus dem bisher die Agrarsubventionen bezahlt wurden. Ob ein Demonstrant beim Warten auf der Rheinbrücke daran gedacht hat? pp