Von Reinhold Rombach

Noch vier Wochen läuft das diesjährige ZEIT-Börsenspiel. Aber schon heute sieht alles danach aus, als stehe die Siegerin bereits fest. Elisabeth Höllers Vorsprung von mehr als 15 000 Mark gegenüber dem zweiten und von mehr als 36 000 Mark gegenüber dem dritten erscheint kaum noch aufholbar.

Elisabeth Höller erwirtschaftete einen Gewinn von 17,17 Prozent in elf Monaten. Diese Zahl allein ist schon beeindruckend, wird aber dennoch der großen Leistung aus zwei Gründen nicht gerecht. Zum einen setzte die Chefin der gleichnamigen Zürcher Vermögensverwaltungsgesellschaft nie voll auf Risiko, sondern hielt mehr als ein Drittel des Depots zur Absicherung als Barschaft. Diese sichere Rücklage hielt sie nahezu das ganze Jahr durch. Der Ertrag mußte also mit den restlichen zwei Dritteln verdient werden. Vor allem aber erwirtschaftete Elisabeth Höller den stetigen Wertzuwachs ihres Depots in einem äußerst ungünstigen Börsenumfeld. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor seit Jahresbeginn rund fünf Prozent, und auch an den übrigen Weltbörsen waren die Verluste ähnlich hoch, zumindest in Mark gerechnet.

Bei so viel Kompetenz interessiert natürlich besonders, wie die Schweizerin, die in dieser Woche ihr zehnjähriges Firmenjubiläum feiert, die aktuelle Situation an den Börsen einschätzt. Im heimischen Helvetien sind die Börsianer pessimistisch, nachdem sich die Mehrheit der Eidgenossen am vergangenen Wochenende gegen einen Beitritt in den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ausgesprochen hat. Die Zürcher Börse reagierte zwar am Montag sowohl bei Aktien als auch beim Schweizer Franken überraschend moderat; die Kurse gingen nur leicht zurück.

Auf lange Sicht fürchten aber viele Auguren im Lande um den Finanzplatz Zürich, so auch Elisabeth Höller: "Wir Börsianer werden in nächster Zeit alle am Katzenjammer zu leiden haben." Das ablehnende Votum der Schweizer wertet sie als schweren Rückschlag und kann nicht verstehen, daß es gerade die Mittelständler gewesen sein sollen, die gegen den EWR stimmten, obgleich doch gerade sie unter der einheimischen Konjunkturschwäche am meisten litten. Die Arbeitslosenrate ist mit einem Wert von 3,9 Prozent für Schweizer Verhältnisse recht hoch, und die Immobilienpreise fallen drastisch. Alleine im berühmten Bankerviertel um die Bahnhofstraße stehen 30 000 Quadratmeter Bürofläche leer.

Sollen die Roche-Genußscheine also jetzt verkauft werden, nicht zuletzt wegen der hohen Gewinne, die mit diesem Titel in den vergangenen Monaten zu erzielen waren? Elisabeth Höller rät von einem überstürzten Verkauf ab: "Den großen international ausgerichteten Unternehmen wie Nestlé, Sandoz und Roche dürfte der Volksentscheid nicht allzuviel anhaben." Im Vergleich zum Dax kann sich auch das Ergebnis ihres Mitspielers Volker H. Düber sehen lassen. Sein Depot verbucht einen kleinen Gewinn von 1,20 Prozent auf das Startkapital, während die deutsche Börse bis jetzt mit einem Verlust zu leben hat. Ob der Index ein tauglicher Gradmesser für die eigene Leistungsfähigkeit ist, mag allerdings dahingestellt sein.

Für den Chefdenker der Südwestdeutschen Genossenschafts-Zentralbank (SGZ) ist das Börsenjahr 92 jedenfalls schon gelaufen. Die deutsche Wirtschaft befinde sich nach wie vor in einem klaren Abwärtstrend. Besonders negativ wirkten, so Düber, die schlechten Nachrichten aus der Automobilindustrie, einem Wirtschaftszweig, der über das Wohlergehen der bundesdeutschen Ökonomie entscheide.