Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit liefern sich die staatliche Telekom und ihre dreizehn privaten Rivalen beim Mobilfunk derzeit einen richtigen Preiskampf. Angriffslustig senkte Peter Mihatsch, Chef der Mannesmann-Mobilfunktochter, im September den Minutenpreis während der Hauptverkehrszeit in seinem D2-Netz von 1,65 Mark auf 1,44 Mark. Recht schnell für einen behäbigen Staatsbetrieb reagierte die Telekom (D1) im Oktober. Dort sind vom neuen Jahr an nur noch 1,38 Mark zu bezahlen. Mihatsch zog jetzt nach mit 1,39 Mark, aber erst von Februar 1993 an.

Auch bei den zwölf sogenannten Diensteanbietern spitzt man die Griffel. Sie betreiben keine eigene Infrastruktur, sondern vermarkten nur die beiden Netze von Mannesmann und der Telekom. Ihre Strategie ist es, die Kunden mit Spezialtarifen zu ködern. So gibt es bei ihnen beispielsweise Intensivnutzer-, Wenignutzer-, Abend-, Mitternachts-, Morgen- und Wochenendtarife sowie Sonderangebote für die Zeit zwischen 24 Uhr und 1 Uhr – in der "Sternstunde", wie ein Diensteanbieter schreibt. Eine solche müssen die potentiellen Kunden in der Tat schon haben, wenn sie da noch durchblicken wollen.

Mehr Freiheit ist das erklärte Ziel von Postminister Christian Schwarz-Schilling und etlichen Wirtschaftswissenschaftlern, die sich mit Studien zum Thema Deregulierung in der Telekommunikation zu profilieren suchten. Vielen ging die erste Postreform nicht weit genug. Schließlich ist der gesamte Telephonverkehr hierzulande noch in der alleinigen Regie der Telekom. Die soll nun bald privatisiert und ihr Geschäft weiter liberalisiert werden (ZEIT Nr. 50).

Was aus theoretischen Lehrbuchweisheiten in der Praxis so werden kann, dafür liefert Schwarz-Schilling bisher mit fast fünf Pfund Papier beredtes Anschauungsmaterial. So viel wiegen jene Werke, die allein bis heute in seinem Ministerium entstanden, um die Deregulierung zu regulieren.

Auf rund tausend Seiten steht geschrieben, was sich Schwarz-Schilling und sein Beamtenapparat unter Federführung von Peter Broß bereits an Vorschriften und Auflagen – meist für die Telekom – ausgedacht haben. Kostprobe aus der jüngsten Marktwächter-Fibel: Unter Teil 5, Abschnitt 10, sind die Grundsätze "zur Nutzung von Übertragungswegen im Sinne des Netzmonopols durch Sprachkommunikationsdienste, die ohne Verbindung zum Telephonnetz der Deutschen Bundespost Telekom betrieben werden", geregelt.

Zur Zeit nicht gerade von Ruhm und Ehre verwöhnt, konnte Finanzminister Theo Waigel (CSU) in der vergangenen Woche den Beifall von rund 500 bayerischen Managern genießen. Waigels Plädoyer für den europäischen Vertrag von Maastricht auf einer Tagung des Wirtschaftsbeirats der Union in München stieß in diesem Kreis auf volle Zustimmung. Und das, obwohl im Freistaat immer wieder auch Stimmen laut geworden sind, die um das föderalistische Prinzip fürchten, wenn immer mehr Kompetenzen an Brüssel abgegeben werden.

Die Entscheider aus der Wirtschaft setzen darauf, daß ihr finanz- und technologiestarkes Land jenen Freiraum nutzen kann, der sich aus den ungeklärten Befugnissen zwischen der Bundesregierung und dem Integrationszentrum Brüssel ergibt. Auf diese Weise, so die Hoffnung, könne Bayern seinen Einfluß sogar im paneuropäischen Maßstab nutzen.