In der Schweiz ist es nicht so rasch fünf vor zwölf; abwarten und Milch trinken, lautet hier die Devise. So mochten denn die Eidgenossen, besonders jene in der Deutschschweiz, nicht einsehen, weshalb ihre Regierung, ihre Wirtschaftskapitäne und ihre Gewerkschafter sie jäh in Europas Arme locken wollten. Zumal genau diese Eliten noch vor kurzem dem Brüsseler Gebilde höchst skeptisch gegenüberstanden. Das Volk vertraute beim Referendum seinen Instinkten, nicht seinen Führern (vgl. Seite 4).

Die Kleinen mögen eben die Großen nicht. Hat Helvetia nicht sieben Jahrhunderte in wohlgefälligem Einzelgängertum überlebt? Ist nicht der Igel fast schon Wappentier? Zog man sich nicht ins Alpenreduit zurück, sobald es in der bösen Umwelt krachte? Ein Konzept für die Zukunft bieten solche Reminiszenzen freilich nicht.

Als Nation hat sich die Schweiz nie verstanden, vielmehr bloß als Willensgemeinschaft. Aber wo bleibt nun dieser gemeinsame Wille, nachdem sich zwischen Stadt und Land, Deutsch und Welsch ein Graben aufgetan hat? Europas Musterstaat entwickelt sich vom geachteten Sonderfall zum geächteten Sonderling. Kleines Land – was nun? F. G.