FREIBURG. – Ob am Hauptbahnhof, auf dem Unigelände oder im Sommer vor dem Strandbad: Zweiräder zu Hunderten, angehäuftes Kapital, unzureichend gesichert. Ein großer Haufen Blech und Rost, aus dem die Brillanten hervorblitzen: Mountain-, Country- und Citybikes, exklusive Lenkerbauten, gefederte Vordergabeln, edle Rahmen aus Aluminium, vereinzelt gar aus Titan oder Karbon. Kurz: ein Selbstbedienungsladen von gewaltigen Dimensionen. Nur ohne Ladendetektiv.

Fahrradklau hat Konjunktur im Land. Nach einem ersten Höhepunkt im Jahr 1984 langen die Diebe mittlerweile wieder ungeniert zu. 436 200 Räder kamen im vergangenen Jahr bundesweit abhanden. Auf über 208 Millionen Mark beziffert das Bundeskriminalamt den Schaden. So groß sind unterdessen die Verluste, daß sich die Polizei in verschiedenen Städten eine eigene Ermittlungsgruppe zugelegt hat.

Eine Truppe, die etwa in Freiburg, der heimlichen Öko-Hauptstadt der Republik, durchaus Erfolge vorweisen kann: Von einst 4100 Diebstahlmeldungen (1984) sank die Zahl auf 3000 (1991). Inzwischen geht der Trend freilich wieder nach oben. Und so sehen sich die Freiburger Ermittler nach wie vor der höchsten Diebstahlsquote in Baden-Württemberg gegenüber.

Was zwar mit der Fahrraddichte zu erklären ist, die in Freiburg höher liegt als anderswo. Doch nicht nur in der Velohochburg, auch in den kleineren Städten im Umland machen die Diebe mobil. In Lörrach war die Rate des Vorjahrs bereits Mitte November erreicht, Offenburg strebt einer neuen Rekordmarke zu, und in Waldshut-Tiengen schnellte die Zahl der gemeldeten Diebstähle von 87 im ganzen Jahr 1991 bis Mitte November auf 154 Fälle.

Ob Stadt oder Land: Mit billigem Material geben sich die Diebe schon lange nicht mehr zufrieden. Lag der Durchschnittswert der geklauten Räder in Freiburg 1990 noch bei 450 Mark, so kletterte er im vergangenen Jahr auf 700 Mark.

So präzise der gestiegene Wert zu beziffern ist, so wenig ist über die Täter bekannt. Die Regel ist wohl immer noch der klassische Dieb, der nachts die Straßenbahn oder den Bus verpaßt und dann den Fußmarsch scheut. Nach wie vor hat er leichtes Spiel, denn die meisten Schlösser bieten selbst besäuselten Spätheimkehrern kaum Widerstand.

Für die häufig geäußerte Vermutung, der Fahrradklau werde bandenmäßig betrieben, fehlen Belege. Zumeist gilt: Gefaßt werden, wenn überhaupt, kleine Fische. In Erinnerung ist den Freiburger Ermittlern aus diesem Sommer nur ein einziger Fall, bei dem echte Profis am Werk waren: ein Duo aus dem nahen Waldkirch, das auf seinen Streifzügen durch die Velohochburg mit einem Kombi vorfuhr, hochwertige Exemplare verlud und damit zu Hause einen schwunghaften Handel betrieb. Die Aufmerksamkeit eines achtjährigen Jungen wurde den beiden schließlich zum Verhängnis.