Reemtsma: "Nein Danke, Theo" Lonrho: Bock auf Bock Privatfernsehen: Neunzig lange Minuten

Offenbar hat Tiny Rowland, der deutschstämmige Generaldirektor des Londoner Mischkonzerns Lonrho, seinen Kronprinzen gefunden – und zwar in Deutschland. Die Wahl des Großunternehmers, der seit über zwanzig Jahren mit seinen Transaktionen und Fehden für Aufsehen sorgt, fiel auf den 53jährigen Steuerberater und Financier Dieter Bock.

Rowland, 75, begründet den Schritt mit seinem hohen Alter. Aber der dramatische Gewinnverfall bei Lonrho und die Schuldenlast waren wohl wichtigere Gründe dafür, Bock einzuladen, Aktien zu kaufen und neue Aktien zu beziehen, um so 25 Prozent des Lonrho-Kapitals zu kontrollieren. Insgesamt könnte Bock dieses Geschäft 185 Millionen Pfund kosten.

Der Aufsichtsratsvorsitzende und – über den Besitz anderer Gesellschaften – auch Mehrheitsaktionär der Frankfurter Advanta Management AG hat Rowland dem Vernehmen nach auf Vermittlung der Deutschen Bank kennengelernt. Sein sechs Jahre junges Unternehmen entwickelt große Immobilienprojekte, hält aber auch zwanzig Prozent des Baukonzerns Philipp Holzmann AG und die Hälfte der Anteile an der Hotelgruppe Kempinski.

Woher kommt nun das riesige Kapital für die Lonrho-Beteiligung? Vielleicht haben Bock und sein Unternehmen noch Geld übrig aus der mißglückten Übernahme der Baufirma Dywidag, bei der die Frankfurter immerhin kräftig verdienten. Die BHF-Bank, Advanta-Teilhaber und -Hausbank, hat jedenfalls klargestellt, daß sie mit der Finanzierung des neuen Deals nichts zu tun hat. Nur Spötter können meinen, Bock habe das Geld durch bescheidenen Lebensstil gespart: Der "stille und seriöse Typ" (ein Kenner der Frankfurter Bau-Szene) fährt eine Ente.

In London herrscht Erstaunen darüber, daß Bock sich auf das hohe Risiko bei Lonrho einläßt. Rowland redet zwar von Expansion, aber seit einem Jahr verkauft er Unternehmen um Unternehmen aus seinem internationalen Gemischtwarenladen. Dieser Ausverkauf dürfte sich fortsetzen.

Die Steckzigaretten sorgen noch über 1992 hinaus für Zwist unter den Tabakkonzernen. Schon das ganz Jahr hindurch bekriegten sich die sonst gegenüber Politik und Öffentlichkeit stets in geschlossener Front auftretenden Firmen wegen des Zwitters aus selbstgedrehtem und fabrikfertigem Glimmstengel. Grund: Da die "Quickies" oder "Rolls" zum Feinschnittarif versteuert werden, konnte der Steck-Raucher seinem Laster annähernd fünfzig Prozent billiger frönen.