Von Michael Franzke

Mogadischu

Der Start der Operation "Neue Hoffnung" begann als Medienspektakel. Als sich US-Oberleutnant Kirk Cocker von dem Schrecken erholt hatte, daß sein rußgeschwärztes Vorauskommando bei der Landung am Strand nicht auf bewaffnete Somalis, sondern eine riesige Journalistenschar stieß, schlug er den Presseleuten ein Geschäft vor: Sie sollten den Geländeabschnitt räumen und bekämen dafür a real nice show, eine wirklich gute Vorstellung geboten. Beide Seiten hielten ihr Versprechen, die Invasion gegen den Hunger konnte beginnen – vor laufenden Kameras.

Doch am vergangenen Wochenende ging die großangelegte Uno-Operation zum erstenmal daneben. Die US-Marines mußten das Unternehmen "Baidoa", den ersten Vorstoß ins Landesinnere, abbrechen. Zu viele Journalisten und Neugierige belagerten den kleinen Militärflughafen Bale Dogle auf halber Strecke zwischen Mogadischu und Baidoa, jenem Ort, der als Stadt des Hungertodes bekannt geworden war. Erst im zweiten Anlauf klappte die Aktion.

Der "militärischen Intervention aus humanitären Gründen" fehlen bislang nicht nur präzise Ziele, sondern auch praktische Erfahrungen, auf denen die "Neue Hoffnung" aufbauen könnte. Sie ist eher einer spontanen "humanitären Idee" entsprungen als einem ausgereiften Konzept. Nur eines ist klar: Die Somalia-Operation soll sich von den bisherigen UN-Unternehmen im Golfkrieg, in Kurdistan, Kambodscha und Jugoslawien unterscheiden. Aber die Grenzen zwischen einer militärischen und einer humanitären Maßnahme sind fließend. Wo hört die eine auf, wo fängt die andere an?

Im Augenblick jedoch drängt diese Frage nicht – noch nicht. Vorerst haben die etwa 2000 US-Marines, 150 Franzosen, 120 Belgier und 80 Kanadier genug damit zu tun, die Ausrüstungen herbeizuschaffen, sich selbst eine Infrastruktur aufzubauen. Das Gebot der Stunde heißt, für die eigene Sicherheit zu sorgen. Die Soldaten dringen daher langsamer als erwartet in die Außenbezirke von Mogadischu und in die Hungerregionen im Landesinneren vor. Wo immer sie hinkommen, haben sie keine Unterkunft, kein Wasser, keinen Strom, keine andere Verbindung zur Außenwelt als ihr Funkgerät. Alles müssen sie mitbringen, aufbauen, absichern. Das kostet Zeit.

Bislang ist nur das erste Ziel der Operation "Neue Hoffnung" erreicht. Die Marines brachten den Flug- und Schiffshafen von Mogadischu unter ihre Kontrolle, öffneten so den Weg für den Nachschub. Paul Mitchell vom World Food Programme (WFP) der UN, das zusammen mit dem Internationalen Roten Kreuz monatlich rund 50 000 Tonnen an Hilfsgütern nach Somalia transportieren muß, bringt es auf die kurze Formel: "Wir haben genug Nahrungsmittel, genug Geld. Jetzt brauchen wir nur noch Sicherheit."