Pots-Tausend – Seite 1

POTSDAM. – Wolfgang Lippert hat bei "Wetten daß..." Potsdam nicht genannt, Armin Müller-Stahl auch nicht. Günter Pfitzmann dreht in Südafrika. Dort interessiert sich keiner für die Stadt des Alten Fritz. Alfred Biolek hat in seiner Sendung die Stadt erwähnt, obwohl er bis vor einigen Monaten nicht wußte, wo sie liegt.

Seit einem Jahr ernennt Potsdam, das im kommenden Jahr tausend Jahre alt wird, Prominente aus Unterhaltung, Wissenschaft, Sport und Politik zu seinen Botschaftern. Ohne Diplomatenpaß, aber mit Urkunde. Erwartete Gegenleistung der Promis: Sich bei jeder bietenden Gelegenheit als Potsdam-Botschafter zu erweisen und für die Schönheit der alten Residenzstadt an der Havel zu werben, nach dem Motto: Tu Gutes und rede darüber. Noch hält sich, wie oben geschildert, nicht jeder Botschafter an seinen Auftrag.

Das macht nichts, meinen die Stadtväter, die für die Auswahl der fünfzig Botschafter zwei lockere Kriterien vorgaben: Erstens muß der- oder diejenige eine Beziehung zur Brandenburgischen Landeshauptstadt oder zum Märkischen haben. Zweitens sollte mindestens die Hälfte der Botschafter auch aus Potsdam kommen.

So zieren die Liste Unterhaltungskünstler und Entertainer wie Harald Juhnke, Wolfgang Lippert und Frank Schöbel, Schauspieler wie Brigitte Mira, Günter Pfitzmann, Hildegard Knef und Armin Müller-Stahl. Aber auch der Modeschöpfer Wolfgang Joop ist dabei und Reinhard Appel, der ehemalige ZDF-Chefredakteur, jetzt Vorsitzender eines Potsdam-Clubs in Bonn.

Aus Potsdam selber gehören Professor Rolf Mitzner, der Rektor der Universität, Monika Scheufler, die einzige Leiterin der Wasserschutzpolizei in Deutschland, und der Maler Peter Röhn zur Botschafter-Crew.

Der Schneeballeffekt, den sich die Stadt von der Mund-zu-Mund-Propaganda durch ihre Botschafter erhofft, soll das dünne Stadtsäckel entlasten. Denn für eine großangelegte Werbekampagne fehlt der alten Preußenmetropole das Geld. Dem dreizehnköpfigen Team "PotsTausend", das unter Anleitung des Westberliner Kulturmanagers Börnes von Liebermann an der Vorbereitung des Jubiläums arbeitet, ging die unangekündigte Streichung von 400 000 Mark aus dem 92er Etat schon an die Nieren. "Das wäre eine Katastrophe. Ganze Veranstaltungsreihen müßten abgesagt werden", tobt Liebermann, der Erfahrungen bei der Berliner Festspiel GmbH gesammelt hat.

Doch das ficht die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Horst Grämlich nicht an. Sie setzt auf ihre Botschafter. Und diese danken die Ehre in besonderem Einsatz. Günter Pfitzmann, der 1946 sein erstes Theaterengagement in Potsdam bekam, tritt wie auch andere kostenlos auf. Wolfgang Lippert holt die Sendung "Wetten daß..."in die Landeshauptstadt. Die Schauspielerinnen Brigitte Mira und Brigitte Grothum bringen in der Potsdamer Einkaufsmeile als "Damen vom Grill" Bratwürste an den Mann.

Pots-Tausend – Seite 2

Nur Wolfgang Joop hat seine Zusage, ein Potsdam-Parfüm zu kreieren, zurückgezogen. Fieberhaft müht sich die Stadt um Ersatz – etwa um eine attraktive Modenschau. Doch wo die stattfinden sollte, ist unklar. Größere Räumlichkeiten sind kurzfristig schwer zu finden.

Außerdem bewältigt das "PotsTausend"-Team seit Wochen zeitraubenden Kleinkram: Bühnen und Säle sind herzurichten; das Aufstellen von Toilettenwagen und Imbißbuden ist ebenso zu organisieren wie die Buchung der Hotelzimmer und die Erarbeitung einer Konzeption mit den zuständigen Sicherheitskräften. Mit dem Festakt am 29. April fällt der Startschuß für das halbjährige Programm: Volksfeste, wissenschaftliche Tagungen, Ausstellungen, Kunstspektakel ohne Pause.

Einmal an der Angel, wollen die Stadtverantwortlichen ihre prominenten Werbeträger nicht so schnell wieder von der Leine lassen. Torsten Peters, der im Magistrat die Arbeit der Botschafter koordiniert, hofft, daß seine Prominenten über das Jubiläum hinaus für Potsdam werben – auf Lebenszeit. Lars-Broder Keil