Von Dieter Buhl

Nach seinem Abschied aus dem Gouverneurspalast von Little Rock am vergangenen Wochenende kann sich Bill Clinton nun ganz auf seine künftige Aufgabe konzentrieren. Die Erwartungen an den 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten sind hoch, und mit jeder seiner Entscheidungen stellt er sie auf den Prüfstand. Bisher hat er seine Wähler weder enttäuscht noch hellauf begeistert. Clintons Berufungen für seine Regierungsmannschaft entsprechen vielmehr dem Leitmotiv, dem er schon als Wahlkämpfer folgte: Den Wandel in Amerika vorantreiben, ohne riskante Experimente einzugehen.

Entschiedenheit wie Vorsicht spiegelt auch Clintons erste Auswahl für sein kommendes Team wider. Getreu dem Vorsatz, sich vorrangig der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes zu widmen, hat er zunächst die ökonomischen Fachleute an seine Seite berufen. Sie repräsentieren eine Mischung aus Washingtoner Eingeweihten und Wallstreet-Größen. Ihnen ist zumindest zuzutrauen, daß sie die Gratwanderung zwischen einer staatlich geförderten Belebung der Wirtschaft und der überfälligen Reduzierung des Haushaltsdefizits wagen. Ob die erfahrenen Fachleute das Ziel auch erreichen und die Verschuldung stoppen, steht auf einem anderen Blatt (siehe auch Wirtschaftsteil Seite 20).

Auch bei der Beteiligung von Frauen an der Regierungsmacht scheint sich Clinton an seine Wahlkampfversprechungen zu halten. Mit der Nominierung von Donna Shalala (Gesundheitsministerin), Carol Browner (Umweltbehörde), Laura D’Andrea Tyson (Vorsitzende der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses) dürfte der gewählte Präsident nicht zuletzt auch den Vorstellungen seiner Frau Hillary entsprochen haben. Freunde und Förderer kommen ebenfalls nicht zu kurz. Der ehemalige Kommilitone und heutige Harvard-Professor Robert Reich als Arbeitsminister, der rührige Parteivorsitzende Ronald Brown als Handelsminister und der Gefährte seit Kindergartentagen, Thomas McLarty, als Stabschef des Weißen Hauses bezeugen den Hang ihres künftigen Chefs zur Treue.

Noch haben die amerikanischen Medien Clintons Mitstreitern kein so schmückendes Etikett verliehen – "die Besten und Intelligentesten" (the best and the brightest) –, wie es kurze Zeit einmal John F. Kennedys Kabinett zierte. Aber noch sind auch so entscheidende Posten wie das Außen- und Verteidigungsministerium unbesetzt. Im übrigen bestimmt vor allem der Präsident Anspruch und Glanz seiner Regierung. Dazu hat Bill Clinton bei der Amtseinführung am 20. Januar die entscheidende Gelegenheit.