Dem Blitz folgte der Donner. Kaum war das Ergebnis der italienischen Kommunalwahlen, das die populistische Lega zur zweitstärksten Kraft machte, in den Parteizentralen Roms eingeschlagen, da versetzte die Justiz einer der prominentesten Figuren des Landes einen politisch tödlichen Hieb: Dem Onorevole Craxi, dem ehrenwerten sozialistischen Partei Vorsitzenden und ehemaligen Regierungschef, wurde amtlich eröffnet, daß in vierzig Fällen wegen Bestechungsverdachts gegen ihn ermittelt wird.

Etwa 36 Milliarden Lire sollen aus den seit Februar aufgedeckten, ganz Italien überschwemmenden Schmiergeldfluten in die Parteikasse des Partito Socialista geflossen sein. Ganz ohne sein Wissen, beteuert der sonst so selbst- und machtbewußte Craxi.

Noch ist keine Anklage erhoben, auch Craxis parlamentarische Immunität ist noch nicht ausgesetzt – etwa wie im Falle seines Genossen De Michelis, des Exaußenministers. Verheerend für Craxi aber wirkt sich aus, daß ihm die Mehrheit der Italiener und sogar viele seiner Parteifreunde genau das zutrauen, was er empört leugnet. Forattini, Italiens boshaftester Karikaturist, zeichnet Craxi im Schwarzhemd als toten "Duce", wie Mussolini mit dem Kopf nach unten aufgehängt...

Nein, "gesenkten Hauptes" werde er nicht abtreten, verkündete Craxi. Seinen Rücktritt, der nicht als Eingeständnis von Schuld erscheinen soll, will er ins nächste Jahr verschieben. Etwa bis zu seinem 59. Geburtstag – am Aschermittwoch? Es könnte auch das Ende der fröhlichen Tage für das bisherige Parteiensystem sein, dessen Agonie unaufhaltsam erscheint.

Für den Lega-Wahlsieger Umberto Bossi jedoch ist vor Weihnachten schon Ostern. Hj. Ste.