Feuilleton

STIG DAGERMAN: Über deutsche Güterzüge

Es gibt Güterzüge und Güterzüge unterdessen fort, sich mit peinlicher Sturheit auf den Bahnhöfen als Geisterschiffe zu offenbaren, und das Betriebspersonal hört nicht auf, sie auf diejenige Strecke zu schicken, die dieses Mal zufällig frei ist.

ERASMUS VON ROTTERDAM: Über deutsche Gasthäuser

Wenn man ankommt, begrüßt einen kein Mensch, damit ja nicht der Eindruck erweckt werde, als ob ihnen an Gästen etwas gelegen sei. Das Halten sie nämlich für schmutzig, kriecherisch und unvereinbar mit der deutschen Ernsthaftigkeit.

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DIE ZEIT

Jelzin in der Klemme

Boris Jelzin versucht, alle Welt davon zu überzeugen, daß er weiter das Kommando über seine Reformpolitik hat. Aber gerade dabei zeigt er, wie sehr ihm das Ruder entglitten ist.

Zeitspiegel

Eine leichtfertig formulierte Ankündigung kann die ganze Sendung gefährden – das mußte die britische Fernsehanstalt BBC erfahren, als sie für ihre Büchersendung "Bookmark" in den Programmzeitschriften mit einem Beitrag über den "Poeten" Radovan Karadžić warb.

Wolfgang Ebert: Patriotischer Aderlaß

Kaum hatte ich eine der vielen Listen über Etatkürzungen aus dem Finanzministerium in die Hand bekommen, da griff ich schon zittrig zum Hörer und wählte die Nummer von Alois Kröpf, einem der Handlanger Theo Waigels.

Neuer Präsident in Südkorea: Kontinuität

Kim Young Sam hat die Präsidentschaftswahlen in Südkorea gewonnen. Gesiegt aber hat die Demokratie, die in diesem Land an der zweiten Front des Kalten Krieges über Jahrzehnte von den Militärs niedergedrückt wurde.

Italiens Sozialistenchef im Zwielicht: Craxis Sünden

Dem Blitz folgte der Donner. Kaum war das Ergebnis der italienischen Kommunalwahlen, das die populistische Lega zur zweitstärksten Kraft machte, in den Parteizentralen Roms eingeschlagen, da versetzte die Justiz einer der prominentesten Figuren des Landes einen politisch tödlichen Hieb: Dem Onorevole Craxi, dem ehrenwerten sozialistischen Partei Vorsitzenden und ehemaligen Regierungschef, wurde amtlich eröffnet, daß in vierzig Fällen wegen Bestechungsverdachts gegen ihn ermittelt wird.

Massenabschiebung aus Israel: Überreaktion

Jeder Staat darf sich gegen Terroristen wehren. Israel hat seit jeher viele und gefährliche Feinde. So ist zu verstehen, daß Militär und Polizei dort zuweilen härter reagieren als in weniger bedrohten Demokratien.

Bonner Bühne: Begrenzt aufgeregt

Er verbreite "Staatsverdrossenheit" und unterstütze damit die anarchistischen Gewalttäter. Nicht müde werde er, "diesen unseren Staat als das gesetzgewordene Böse zu diffamieren".

Ans Licht der Welt

Es gibt Tage, da sehnt sich Hartmut Stegemann in die Einsamkeit seiner Studierstube zurück. Ohne Unterlaß klingelt das Telephon in seinem Büro an der Universität Göttingen.

Keine Insel

"Es ist immer von dieser speziellen Solidarität die Rede. Ich habe da immer ein paar Schwierigkeiten, weil ich nicht sicher bin, wieviel davon die Solidarität des Luftschutzkellers gewesen ist.

Das "Haus der Demokratie" ist gerettet: Skandal vermieden

BERLIN. – Die Frage läßt sich nun nicht mehr beantworten: Wie hätte die Öffentlichkeit reagiert, wenn Ende 1992 die Polizei Bärbel Bohley und Wolfgang Ullmann mit Gewalt aus dem "Haus der Demokratie" herausgetragen hätte, und zwar allein deswegen, weil dei Rechtsnachfolgern eines liquidierten Oberschlesischen Steinkohle Syndicats, das im Zweiten Weltkrieg seine große und profitable Zeit hatte, die Immobilie zugesprochen wurde? Es wäre nicht nur der Sieg der alten, braunen Vergangenheit über die jüngste, doch bessere Vergangenheit gewesen.

Reservat des kleinen Anspruchs

Eigentlich ist es ja schwer erträglich, wenn Altere behaupten, früher sei alles besser gewesen. Johann, 51, ist so einer, der permanent die alten Zeiten hochleben läßt.

Fernsehen: Happy-End

Es war nicht gerade der Start, den man sich wünscht. Das private Nachrichten-Fernsehen n-tv, das Ende November in Berlin auf Sendung ging, heimste bisher nur spärliches Lob ein: Die Zuschauer mußten sich mit trist präsentierten news und unaktuellen Berichten zufriedengeben, und die lebensnotwendige Werbung lockerte die Langeweile nur selten, auf.

Haushalt: Weise Worte

So schmeichelhafte Worte hört der Kanzler nicht alle Tage: "Nach dem Gespräch mit Kohl bin ich klüger geworden." Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf erklärt damit seine Zustimmung zum Bundeshaushalt.

Agrarpolitik: Krummes Ding

Europa läßt nicht mit sich spaßen, auch wenn es nicht um die Wurst, sondern nur um die Banane geht. Das Wohl ihrer Schützlinge auf den Kanaren und in der Karibik im Visier, machten die zwölf europäischen Agrarminister einen unsäglichen Plan wahr: Die beliebte und billige Dollarbanane wird teurer – und zwar um sage und schreibe 170 Prozent; nur ein Grundkontingent von zwei Millionen Tonnen kommt mit einem Zoll von etwa zwanzig Prozent davon.

Auf Dauer ohne Job

Im September waren in den alten Bundesländern 475 000 Langzeitarbeitslose gemeldet. Unter diese Kategorie fallen alle, die länger als ein Jahr nach einem Job suchen.

Bonner Kulisse

Krise hin, Krise her, Bundeskanzler Helmut Kohl bleibt auch in diesem Jahr der Größte, zumindest für die Karikaturisten. Rechtzeitig zum Jahresende hat Walther Keim, Leiter der Pressedokumentation des Deutschen Bundestages, die Hitliste der Politiker-Karikaturen des Jahres 1992 zusammengestellt.

Bringt die Industriepolitik den Aufschwung Ost?: Teurer Zauber

Industriepolitik heißt das neue Zauberwort zur Lösung aller wirtschaftlichen Probleme. Fast jeder ist dafür: Der Kanzler und seine Christdemokraten wollen die neue Industriepolitik zum Teil des Solidarpaktes machen, die Sozialdemokraten fordern sie ebenso wie die Gewerkschaften seit längerem.

Warten auf die Wende

Ein Zungenbrecher hat beste Chancen, der Geldbegriff des Jahres zu werden: Zinsabschlagsteuer. Das Wortungetüm bereitet nicht nur Probleme mit der Aussprache – wie leicht ging dagegen der gescheiterte Vorläufer "Quellensteuer" über die Lippen –, er erregt auch die Gemüter.

Manager und Märkte

Wenn es um Macht und Einfluß im Unternehmen geht, zählen Blutsbande wenig. Im Gegenteil: Im Kampf Bruder gegen Bruder, Vetter gegen Vetter oder Cousine gegen Cousine wird oft alle Zurückhaltung abgelegt.

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