Hach, manchmal wäre man doch gern dabeigewesen! Wie der Roßberg den Bullerofen anheizte, den Panzerschrank aufschloß und... Halt! Der Reihe nach, so wie’s Stasi-Oberstleutnant Klaus Roßberg erzählt: 1984, zum 35. DDR-Geburtstag, sollte Humboldt-Theologieprofessor Heinrich Fink vom Hoch- und Fachschulministerium mit Titel und Medaille eines "Aktivisten der sozialistischen Arbeit" beschenkt werden.

Aktivisten waren leider alle. Statt dessen beantragte Roßberg (genau, der vom Stolpe-Ausschuß) arglistig die Verdienstmedaille der Volksarmee, wohl wissend, daß Fink, kein Militär, weder das Kleinod erhalten könnte noch die 750 Mark Prämie. Die wurden von der Stasi-Kirchenabteilung verbraten – ganz wörtlich: für die Bewirtung frommer Konspirateure. Fink sei nie dabeigewesen; "IM Heiner" habe man ohne dessen Wissen abgeschöpft.

Als es dem SED-Staat an den Kragen ging, entsann sich Roßberg der Medaille, holte sie aus dem Safe und schmolz sie im Ofen ein. Soweit der große Erzähler. Hier dankte der Richter für die "schöne Geschichte".

Fink muß gehen. Das Landesarbeitsgericht Berlin hat die Kündigung des einstigen Rektors für Rechtens erklärt und Revision abgelehnt. Fink trägt alle Kosten. Was hält das Gericht in der Hand? Keinen Treffbericht. Finks Entlastung durch Stasi-Zeugen à la Roßberg. Indizien verschiedenen Kalibers. Die rauchende Pistole: "IM Heiner" selbst hat heimliche Stasi-Nummern angewählt und berichtet, wenngleich Lapalien. Wer das tut, wird nicht nur belauscht; er macht Meldung. Immer wieder taucht Fink auf in "Maßnahmeplänen", wonach er gegen die kirchliche Opposition Stellung beziehen sollte. Ausführung? Zweifelhaft. Finks akademische Reputation ist dünn. Trotzdem hob der Staat ihn ins Amt. Wieder: ein Indiz. Die IM-Akte selbst ist vernichtet.

Fink gilt dem Gericht als wissentlicher Stasi-Zuarbeiter. "Im Prozeß der Wahrheitsfindung", sprach Richter Preis, "haben wir jenes Maß an Gewißheit erreicht, das dem Zweifel Schweigen gebietet." Hätte doch Heinrich Fink jemals jenes Maß an Zweifeln erreicht, das zu reden gebietet. Sein nebliges Betragen hat die Not- und Nötigungsgemeinschaft DDR nicht erhellt.

"Ein Leben halb und halb" beschrieben wir vor einem Jahr (ZEIT Nr. 50/1991), den großen Selbstgerechten und DDR-Versimplern zum Ärgernis. Fink, kein Held im alten System, war auch nicht dessen Luder. Wir hören das Urteil und reichen nicht denen die Hand, die sich jetzt die Hände reiben. Christoph Dieckmann