Von Ralf Neubauer

Jens Odewald, Verwaltungsratsvorsitzender der Treuhandanstalt, gab sich alle Mühe, Ruhe zu bewahren. Auf eine einfache Frage erhielt er gleich drei unterschiedliche Antworten. Keiner der von ihm zu Rate gezogenen Vorstandsmitglieder konnte ihm verbindlich mitteilen, welche Staatsunternehmen die Treuhandanstalt künftig unter dem Dach einer sogenannten Management Kommanditgesellschaft sanieren will. Odewald empfahl den von ihm beaufsichtigten Führungskräften denn auch, erst einmal intern die Kompetenzen zu klären.

Der Vorgang, der sich am Mittwoch vorletzter Woche im Treuhand-Verwaltungsrat abspielte, wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die Verhältnisse im Management der Anstalt. Er läßt auch erahnen, wie sehr die Frage der Sanierung nicht privatisierter Ostbetriebe inzwischen zu einem Politikum geworden ist (siehe auch Seite 20). Seitdem Bundeskanzler Helmut Kohl die verbliebenen "industriellen Kerne" im deutschen Osten unter seinen persönlichen Schutz gestellt hat, herrscht in der Chefetage der Breuel-Behörde lähmende Verunsicherung: "Niemand weiß, was auf uns zukommt", klagt ein hochrangiger Treuhand-Mitarbeiter.

Tatsächlich trifft der Kurswechsel des Kanzlers die Treuhänder der ehemals volkseigenen Betriebe auf dem falschen Fuß. Sie tun sich nach wie vor schwer, von der Privatisierung auf die Sanierung umzuschalten. Dies verdeutlicht nicht zuletzt der Streit um die Zusammensetzung der Management KGs.

Schon die Gründung der ersten beiden Sanierungsholdings, die jeweils zehn bis fünfzehn unverkäufliche Treuhand-Firmen für die Marktwirtschaft fit machen sollen, war äußerst schwierig. Mit den geplanten vier Folgegesellschaften ist das nicht anders. Sie sollten längst aus der Taufe gehoben sein; doch erneut ist der Fahrplan von Treuhand-Chefsanierer Hero Brahms durcheinandergeraten.

Die Probleme kommen nicht von ungefähr. An den Management KGs kristallisiert sich nämlich der ganze Streit um die Industriepolitik, der derzeit in Bonn und anderswo ausgetragen wird. Den einen gehen schon die bestehenden Sanierungsgesellschaften zu weit. Sie sehen darin eine Fortsetzung der Planwirtschaft in neuem Gewand. Die anderen – vor allem die Gewerkschaften – verlangen noch viel weiter gehende Holdingstrukturen, die nach Meinung der Kritiker den endgültigen Abschied von der Marktwirtschaft bedeuten würden.

Treuhand-Vizepräsident Brahms hat bisher versucht, beiden Seiten gerecht zu werden. Er hat die ersten Sanierungsgesellschaften bewußt als "Gemischtwarenläden" konzipiert und Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen zusammengelegt: "Es darf und kann nicht sein, die alte Kombinatspolitik neu aufzulegen und dabei das Risiko einzugehen, am Ende der auf drei Jahre befristeten Laufzeit nicht veräußerbare Konzerngebilde an die Treuhandanstalt zurückzugeben", lautete bisher die Devise.