Dohnanyi wollte das weitverzweigte Kombinat zumindest im Kerngeschäft als eigenständiges Unternehmen erhalten. Doch die immer neuen Konzepte, an denen der Münchner Unternehmensberater Roland Berger maßgeblich beteiligt war, halfen nicht. In dem Maße, in dem die Ostmärkte zusammenbrachen, mußten Dohnanyi und sein ostdeutscher Vorstandschef Gerd-Rainer Grimm Umsatzwie Mitarbeiterzahlen weiter und weiter nach unten korrigieren. Seit kurzem ist klar: Takraf wird in vier Unternehmensteile zerlegt und einzeln privatisiert. Der Sozialdemokrat bleibt der Treuhand dennoch erhalten: Als Sonderbeauftragter wird Dohnanyi bei Ländern und Kommunen um öffentliche Aufträge für Treuhand-Firmen werben.

So wie Klaus von Dohnanyi und seinem inzwischen abgelösten Vorstandsvorsitzenden ist es vielen Gespannen von Ostmanagern und Westaufsehern ergangen. Sie unterlagen der verlockenden Phantasie der Ostmärkte und planten demzufolge mit viel zu großen Kapazitäten.

Ein ebenso prominenter Expolitiker wie Klaus von Dohnanyi hat dagegen bisher alle Fallstricke im deutschen Osten umschifft. Lothar Späth (55) gilt inzwischen als heimlicher Wirtschaftsminister von Thüringen. Dabei fungiert der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg formal lediglich als Chef der Jenoptik GmbH, eines von zwei Unternehmen, die aus dem Jenaer Zeiss-Kombinat hervorgegangen sind. Tatsächlich ist Späth Manager, Industrieansiedler und Strukturpolitiker in einer Person. Er will ganz Ostthüringen zu einer „blühenden Region“ machen, bislang mit guten Erfolgen. Durch die Ausgliederung von Zeiss-Unternehmensteilen und durch zahlreiche neue Firmenansiedlungen sind rund 4000 Arbeitsplätze gesichert worden.

Bei der Landesregierung in Erfurt wird Späths Treiben dennoch mit einiger Skepsis verfolgt. Der Schwabe solle sich mehr auf die vor sich hin dümpelnde Jenoptik GmbH konzentrieren, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Der Hintergrund: Ministerpräsident Bernhard Vogel fürchtet den umtriebigen Späth, so wird kolportiert, als möglichen Konkurrenten um das Amt des thüringischen Regierungschefs. Ralf Neubauer