Jürgen Möllemann sollte sich und uns einen Dienst erweisen und zurücktreten. Der Wirtschaftsminister wollte nachweislich den Geschäftsumsatz eines Vetters fördern, von Amts wegen und gleich mit Siegel und Signatur. Wo Möllemann nun vollmundig dafür die Verantwortung übernimmt, klingt das wie ein Freispruch in eigener Sache. Dabei war solcherlei Wirtschaftsförderung kein Beitrag zum Aufbau Ost oder Ausbau West, sondern schlicht ein Beispiel von Vetternwirtschaft. Ob Möllemann kopflos oder charakterlos agierte, ist längst nicht mehr die Frage: So oder so hat der Minister sein Amt der Lächerlichkeit preisgegeben. Weitere Motivforschung wirkt müßig.

Der Mann muß gehen. Er will nicht, wen wundert’s. Oder darf er einfach nicht, weil ein Rücktritt des Vizekanzlers und Wirtschaftsministers die ganze Koalitionsbalance zerstören könnte? Die plötzlichen Bonner Gedankenspiele um einen liberalen Mann aus der Wirtschaftswelt als Nachfolger Möllemanns verraten jedenfalls viel vom labilen Innenleben des Kabinetts. Falsche Rücksicht liegt der Regierung Kohl näher als ein ehrlicher Rücktritt. vhn