Von Benedikt Erenz

Ein neues Jahr! Ein neues Jahr! Wie schön.

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Andererseits: Einmal zu Ende schlafen, einmal bis ans Ende schlafen. Bis die Welt eine andere ist oder gar nicht mehr ist.

Aber einkaufen, so beginnt’s, Samstag, der 2. Januar. In den Supermarkt: Milch, Spaghetti, Kaffee, Gurken, so steht es auf dem Zettel, alles aufgeschrieben. Und Wurst. Wurst! Tierische Existenzen, die wir sind, Bestien.

Wenn die Filmkamera den Menschen im Supermarkt beobachtete ("Wir beobachten den Menschen jetzt hier bei der Nahrungssuche"). Das mal zur besten Sendezeit. Wie bei Sielmann: die Kamera nachts im Laubversteck, Rascheln, nasse Knopfaugen, Fell. Wunderbare Welt der Bilche. Bemerkenswerter noch der Wombat (= australischer Beuteldachs, Beutelbär, wenn man so sagen darf, ein seltenes, scheues Tier, ergreifend kurz: etwa 1 Meter, einmal im Jahr etwas Nachwuchs; im Ullstein-Lexikon der Tierwelt befindet sich, Farbtafel 6, ein Bild).

Drollige Tiere, niedliche kleine Wombatsippe. Man darf sie sich vorstellen: So eine ganze Wombatsippe, wie sie auszieht in die tasmanische Natur, hinaus in die leuchtende Nacht des Südens, die einst James Cook betörte und den jungen Georg Forster, der ihn begleitete, der in Mainz die erste deutsche Republik ausrief, o Tahiti, und der später in Paris, 1793, im nassen Dezember, als die Guillotine auf der Place de la République arbeitete und er in seiner Kammer, im Fieber, noch vierzehn Tage zu leben hatte, in einem letzten Brief schrieb: "Die Revolution ist ein Orkan, wer kann ihn hemmen?" – In dieser Nacht nun, dieser betörenden Nacht, unsere kleine Wombatsippe auf ihrer Suche nach Nahrung, nach Beeren und ähnlichem, aber Zoologen mögen den Autor hier korrigieren.