Interview

Herr Wolf, seit Beginn des Jahres sind die Einzelhändler im ganzen Bundesgebiet von der in der Verpackungsverordnung vorgesehenen Pflicht befreit, Verkaufsverpackungen an der Ladentheke zurückzunehmen. Statt dessen läßt ein Unternehmen namens Duales System Deutschland die Verpackungen mit dem Grünen Punkt einsammeln. Dagegen laufen viele Umweltschützer Sturm. Jetzt reiht sich auch das Bundeskartellamt in die Front der Kritiker ein. Warum?

WOLF: Ganz so ist es nicht. Wir hatten zwar beim Grünen Punkt Sorgen, haben sie aber zurückgestellt, weil wir nicht den Konflikt Wettbewerbspolitik kontra Umweltschutzpolitik wollen. Alles, was von der Verpackungsverordnung gedeckt ist, wird deshalb vom Kartellamt toleriert. Jetzt geht es darum, ob das Duale System auch für die Verpackungen im gewerblichen Bereich zuständig werden soll. Das wäre von der Verpackungsverordnung nicht mehr gedeckt.

Und da wollen Sie die Kröte eines Monopols nicht mehr schlucken?

WOLF: Wir wollen die noch vorhandenen Wettbewerbsstrukturen retten. Wenn man das System des Grünen Punktes auch auf die Transportverpackungen ausdehnt, kommen wir aber zu echten Monopolsituationen.

Gleichwohl haben die Umweltminister der Länder das Duale System geradezu ermuntert, seine Aktivitäten auch auf Transportverpackungen auszuweiten.

WOLF: So ist es leider. Aber die Länder können das Kartellgesetz nicht ändern. Deshalb haben wir gegen das Duale System ein Verbotsverfahren eingeleitet.