Von Jacob Weisberg

Washington

Bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung Bill Clintons nächste Woche wird Symbolik die gleiche wichtige Rolle spielen wie zuvor in seiner Präsidentschaftskampagne. Clintons Inauguration wird einen stark populistischen Anstrich haben. Der künftige Präsident und seine Frau Hillary werden weder in der Limousine noch im Hubschrauber nach Washington kommen, sie werden vielmehr das Transportmittel benutzen, mit dem sie schon während des Wahlkampfes ihre Nähe zum Volke demonstrierten – den Bus.

Auch sonst wird es bei der Amtsübernahme volkstümlich zugehen. So hat Clinton fünfzig ganz gewöhnliche Amerikaner, die er während seiner Bustouren durch das Land kennenlernte, zum Mittagessen eingeladen. In der traditionellen Parade werden diesmal nicht bloß Militärkapellen auftreten, sondern auch Elvis-Presley-Imitatoren mitmarschieren. Die Bälle am Abend nach der Amtseinführung sollen ebenfalls keine elitäre Angelegenheit mehr sein; deshalb sind die Eintrittspreise weitaus niedriger als bei den Festen vor vier Jahren, mit denen George Bush seine Präsidentschaft begann.

Ein Leitmotiv all der Feierlichkeiten wird der Generationswechsel sein. Bei früheren Machtübergaben in Washington spielten Symphonieorchester, diesmal erklingt andere Musik. Die Popgruppe Fleetwood Mac aus den siebziger Jahren tritt ebenso auf wie das Gesangstrio Peter, Paul und Mary aus dem Jahrzehnt davor, das mit Clinton die Ablehnung des Vietnamkrieges teilte. Clinton selber wird auf jeden Fall bei einer der vielen Parties mit seinem Saxophon auftauchen, mit dem er schon im Fernsehen Furore gemacht, hat. Er spielt zwar schlecht, aber das Instrument gilt als eine poppige Botschaft an seine Generation, die Baby-Boomers.

Hollywood führt Regie bei den Festivitäten. Fernsehproduzenten aus den Traumfabriken haben Clinton schon während des Wahlkampfes sehr geholfen. Sie werden mit den Inaugurationsfeiern ebenfalls Erfolg haben. Doch auch nach all dem Pomp und Frohsinn werden zwei Fragen bleiben: Wann hört Bill Clinton mit dem Wahlkampf auf und beginnt zu regieren? Und wird dieser Politiker, der soviel Wert darauf legt, jedem zu gefallen, die harten Entscheidungen treffen, die in seinem Land getroffen werden müssen?

Die Antwort auf die erste Frage lautet, Clinton wird wie ein Wahlkämpfer regieren; Er ist ein Politiker mit ausgeprägten Instinkten. Im Gegensatz zu George Bush, der jeden Kampf um ein öffentliches Amt als notwendiges Übel betrachtete, liebt Clinton es, Hände zu schütteln, Autogramme zu schreiben und Babys zu küssen.