Eigentlich wollten wir ja heute, hier und an dieser Stelle, wie noch in jedem Jahr, den Großen Neujahrsempfang des Hamburger Abendblattes und die zu diesem Anlaß im Hamburger Abendblatt abgedruckte Gästeliste feinfühlig kommentieren – aber leider sind wir diesmal über die ersten Buchstaben, die ersten paar hundert Gäste auf der Gästeliste nicht hinausgekommen und können nun dem auch in diesem Jahr fiebernden ZEIT- Leser nicht zuverlässig mitteilen, ob beispielsweise Geschäftsführer Rolf Mares wieder unter den Abendblatt-Gästen weilte, von gewissen Hamburger Herausgebern und Chefredakteuren ganz zu schweigen. Ein journalistisches Versagen erster Klasse (unser Versagen!), für das es keine journalistische Entschuldigung geben kann, höchstens eine sozusagen menschliche.

Es ist uns einfach in diesen Tagen zuviel durch den Kopf und, gestehen wir es ruhig ein: durchs Gemüt gegangen. Der jähe Sturz unseres Lieblings Jürgen W. Möllemann aus der Bonner Regierungsverantwortung hat uns (ach, schwach ist des Weibes Herz, noch schwächer sein Verstand!) tiefer getroffen, als wir das unserer höhnenden männlichen Mitwelt bisher eingestehen mochten. Jetzt hat also der letzte überragend gutaussehende Mann den Kabinettstisch verlassen, und was erblickt unser heimliches, lüsternes Auge nun? Kolosse (wie Kohl), Knirpse (wie Blüm), Hornbrillen (wie Kinkel). Die sog. Sachkompetenz der Regierung mag ja durch Möllemanns Abgang gestiegen sein, ihr Sex-Appeal ist endgültig weit unter Null.

Und dann, o Gott, auch noch dieser Schreck am Donnerstag! Donnerstag ist nämlich stern- Tag bei uns zu Hause! Und wie immer fiel unser erster Blick auf Seite drei, Stichwort: Editorial. Ein Schrei!! Möllemann!!! Dieser samtweiche, verführerische Blick, dieses entzückende Oberlippenbärtchen! Jürgen (schrien wir), Jürgen ist schon wieder da, schon wieder ganz oben, neuer Herausgeber oder sonstwas, beim stern! Einfach super, das gibt’s doch gar nicht!

Und dann das schlimme Erwachen. Nicht Jürgen W. Möllemann (wie wir in unserem Backfischfieber wähnten), sondern natürlich nach wie vor Rolf Schmidt-Holtz ist Editor beim stern und als solcher exklusiv fürs Editorial zuständig, welch eine Verwechslung! Möllemann kommt erst auf Seite vier, auf Seite drei wird er von Schmidt-Holtz als „Triebtäter in Sachen Ehrgeiz und Karriere“ gegeißelt.

Es steht uns nicht zu, dies politisch oder gar journalistisch zu kommentieren. Doch eine düstere Ahnung, eine würgende Angst wollen wir nicht verschweigen: Auch beim stern wird demnächst die Zeit der gutaussehenden Männer, Triebtäter u. ä. unwiderruflich enden. Dann blickt uns aus dem Editorial nicht mehr das füllige Haupthaar von Rolf Schmidt-Holtz entgegen, sondern das Bednarz-Toupet oder die Bodo-H.-Hauser-Glatze. Dann ist Donnerstag kein stern- Tag mehr!

PS.: Wie unsere verspätete Recherche soeben ergibt, fehlt Rolf Schmidt-Holtz auf der Gästeliste des Hamburger Abendblattes. Ein Alarmzeichen!