Vielleicht war ja Zugmieze doch der zugkräftigere Titel. Lustiger jedenfalls war er. Doch der einstige Arbeitstitel ist einem ernsthaften Namen gewichen: Focus heißt das neue Blatt. Vom kommenden Montag an soll es die bislang schier unanfechtbare Bastion des Spiegel stürmen.

Der Name Focus, zu deutsch: Herd, Feuerstelle, im übertragenen Sinn: Brennpunkt, wie auch der Titelkopf mit einem Globus im O signalisieren nicht gerade Witz und Schärfe eines Herausforderers. "Das moderne Nachrichtenmagazin", wie der Verlag sein neues Objekt schon mal im Untertitel selbst preist, soll jedenfalls der "ernsthafteste Versuch" werden, dem seit vierzig Jahren etablierten Spiegel Konkurrenz zu machen. An die 53 Bemühungen dieser Art wollen Pressestatistiker bisher ausgemacht haben – vergeblich waren sie alle. Montag ist noch stets Spiegel- Tag. Und Freund und Feind haben dem Hamburger Heft zu einer verkauften Auflage von knapp 1,2 Millionen Exemplaren verholfen.

Der Focus, so wollen es seine Macher, wird freilich nicht als Anti-Spiegel antreten. "Anti", das weiß auch der gewichtige Chefredakteur Helmut Markwort, "ist kein Programm." Doch ein bißchen anders soll sein Blatt schon aussehen, das mit einer Auflage von 600 000 Exemplaren an den Start geht und mit einem Verkaufspreis von vier Mark eine Mark billiger ist als der Spiegel. Durchgängig in Farbe mit vielen Tabellen und Schaubildern will Markwort Arroganz, Häme und Negativismus des Spiegel mit weniger Meinung, dafür mehr kurzen Nachrichten und zudem mit mehr Lebensfreude begegnen. Vor allem aber soll dem Leser mehr Nutzwert geboten werden.

Markwort sieht sein Werk denn auch eher als Ergänzung zum "Meinungsmagazin" aus Hamburg. "Ein zivilisierter Industriestaat, so befindet Focus-Verleger Hubert Burda, "braucht zwei unterschiedlich ausgerichtete Nachrichtenmagazine." Markwort, als Geschäftsführer in der Burda-Holding fürs Blattmachen im Münchner Verlag zuständig, meint gar, daß "in einem aufgeklärten, lesehungrigen Achtzig-Millionen-Volk Platz für vier solcher Magazine" sei: "Wir machen jetzt das zweite."

Doch nicht die Masse der achtzig Millionen Deutschen möchten Burda und Markwort als Leser gewinnen. Das "lesende Achtel", die "educated readership" haben sie im Auge. Und das sind rund drei Millionen – also bei weitem nicht alles Spiegel-Käufer, wie eine Marktstudie von Infratest für den Burda-Verlag herausfand. Diese Leserschaft, geübte Zeitungs- und Magazinkonsumenten und von Burda als "Informationselite" qualifiziert, möchte in ihrer großen Mehrheit laut Umfrage ein politisch neutrales Magazin ohne Ideologie, mit kurzen Beiträgen, Grafiken und mit viel Nutzwert. Also wohl irgendwie den Focus von Burda. Ob diese Leser dann allerdings auch ihr Wunschblatt wirklich kaufen, muß sich noch herausstellen.

Erfahrungen mit derart elitären Lesern hat Helmut Markwort bisher nicht sammeln können. Doch als erfolgreicher Blattmacher hat er einen Ruf zu verteidigen. Der aus Darmstadt stammende Wahl-Münchner war vor seinem Wechsel zu Burda geradezu die Seele des Nürnberger Sebaldus-Verlags. Vom Redaktionssitz München aus hat er seit 1970 nicht nur die Programmzeitschrift Gong auf Vordermann gebracht. Er kreierte mit Erfolg noch drei neue Zeitschriften für seinen Arbeitgeber: Ein Herz für Türe sowie das Klatschblatt die aktuelle und das Frauen- und Programmheft die 2. Die beiden letzten brachten gleich die gesamte Branche in Aufruhr, die Großverlage schickten flugs Nachahmungen ins Rennen.