Wird er Premierminister oder nicht? Diese Frage sorgt auf den zahlreichen politischen Neujahrsempfängen in Paris für Gesprächsstoff. „Keine Zweifel, der Präsident findet keinen besseren“, meinen die einen. „Ausgeschlossen, François Mitterrand wird doch nicht einen so intelligenten Oppositionspolitiker und richtigen Staatsmann berufen“, spekulieren die anderen.

Das Format für den Posten hätte das 63jährige Mitglied der Gaullistenbewegung RPR – und die Erfahrung. Seit Jahrzehnten ist Edouard Balladur politisch aktiv: 1968 hilft er dem damaligen Regierungschef Georges Pompidou, die Mai-Unruhen in den Griff zu bekommen. 1973 schirmt er den schwerkranken Pompidou vor der Öffentlichkeit ab. Und 1986 wird er Finanzminister.

Balladur, der seit Jahren auch ein enger Berater des Gaullistenführers Jacques Chirac ist, hat freilich einen gravierenden politischen Makel: Er spricht nicht gerade die Sprache des Volkes und hat das Image eines abgehobenen Bürgerkönigs. „Balladur würde sich als Premierminister schnell unbeliebt machen“, heißt es in Paris. Gerade das könnte ihn aber für Präsident Mitterrand zum idealen Kandidaten machen. ls

ZEIT: Entgegen allen Hoffnungen hat die Bundesbank vergangene Woche ihre Leitzinsen nicht gesenkt. Der Franc steht weiter unter Druck. Kann sein Wechselkurs mit der Mark bis zu den französischen Parlamentswahlen im März gehalten werden?

Balladur: Den Kurs zu halten ist unabdingbar für die Stabilität des Europäischen Währungssystems. Und es gibt keinen ökonomischen Grund, ihn zu ändern. Aber das setzt voraus, daß sowohl Frankreich als auch Deutschland eine Reihe von Maßnahmen ergreifen.

ZEIT: Welche denn?

Balladur: Erstens sollte die Banque de France autonomer werden. Zweitens müßte die Wirtschafts- und Finanzpolitik beider Länder besser aufeinander abgestimmt werden, und da ist jetzt vor allem Deutschland gefordert. Drittens sollte die Bundesbank ihre Zinsen senken, die heute real so hoch sind wie wohl noch nie. Und viertens müßte die Zusammenarbeit der beiden Zentralbanken so organisiert werden, daß ihre Geldpolitiken besser zusammenpassen.