Zur Gruppe der natürlichen Dörfer in Österreich haben sich 21 Gemeinden zusammengeschlossen. Jetzt liegt ihr erster Katalog vor.

Das Projekt war von Anfang an nicht unumstritten. Einer der Hauptvorwürfe lautete, die letzten ruhigen Plätze sollten jetzt auch noch vermarktet werden. Doch die Gemeinden, die sich um die Aufnahme in die Gruppe bewarben, haben alle schon Tourismus. Durch die Teilnahme an dem Unternehmen „Natürlich, Dorfurlaub in Österreich“ unterwerfen sie sich Auflagen, die einen ungehemmten Ausbau der Kapazitäten eher verhindern.

So sehen die Kriterien, die im Laufe des Auswahlverfahrens zum Teil sogar verschärft wurden, zum Beispiel vor, daß ein Ort nur so viele Gästebetten wie Einwohner haben darf; ursprünglich sollten noch zwei Urlauber pro Einheimischen erlaubt sein. Weitere Grundbedingungen: Das Dorf hat maximal 1500 Einwohner, das je nach Region ein Kirch-, Anger- oder Haufendorf sein kann, wenig Zweitwohnsitze und ein landestypisches Ortsbild.

Doch nicht nur der Kern mit Kirche, Dorfwirt, Brunnen, Einkaufsmöglichkeiten muß stimmen, auch die Landschaft muß ökologische Mindestanforderungen erfüllen. Monokulturen sind verpönt, Düngemittel sollen schonend eingesetzt werden, Landschaftsbiotope vorhanden sein. Trinkwasser kommt aus Quellen; Bäche und Seen führen sauberes Wasser. Lärm- oder Schadstoffimmissionen durch Industrieanlagen darf es nicht geben, die Autobahn soll wenigstens drei Kilometer entfernt sein, der Durchgangsverkehr 3000 bis 4000 Fahrzeuge täglich nicht überschreiten. Deshalb muß das natürliche Dorf auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.

Pfandflaschenservice, das Vermeiden von Verpackungen, Mülltrennung sowie die Versorgung mit regionaltypischen Produkten aus eigener Erzeugung werden ebenfalls gefordert.

Immerhin 160 Gemeinden wollten sich den Kriterien stellen, 21 regionaltypische Dörfer wurden schließlich ausgewählt: von Arriach in Kärnten über Mühlen in der Steiermark bis Yspertal in Niederösterreich.

Im Bundesland Salzburg sind solche Orte nicht zu finden, weil die dortigen Tourismusmanager andere Vorstellungen von der Vermarktung ihrer natürlichen Dörfer haben.