Gut und böse

Schlechter Einfluß färbt auf das Wesen eines Kindes möglicherweise viel stärker ab als guter. Der Psychologe Jim Stevenson vom Institute of Child Health in London widerspricht damit der Meinung, daß Umwelt und Vererbung den Charakter eines Menschen stets etwa gleich stark prägen. Stevenson untersuchte das Verhalten von 160 eineiigen und 213 zweieiigen Zwillingspaaren. Die positiven Wesenszüge, Geselligkeit und Hilfbereitsschaft, ließen sich je zur Hälfte mit vererbten Eigenschaften und mit den Einflüssen aus Elternhaus und Freundeskreis erklären. Zerstörungswut hingegen lag zu achtzig Prozent am destruktiven Umfeld – die Erbanlagen ließen sich mit dem asozialen Verhalten nur wenig in Einklang bringen. Vielleicht sollte nun die Vorstellung vom Verbrecher, „der es im Blut hat“, unter die Lupe genommen werden (Science, Vol. 259; S. 33).

Tief unter der Oberpfalz

Die Wissenschaftler und Ingenieure des Kontinentalen Tiefbohrprogramms im bayerischen Windischeschenbach sind gespannt: Der Bohrer dringt jetzt in eine besonders interessante Zone ein, die „Fränkische Linie“. Dort sind vermutlich zwei riesige Blöcke der Erdkruste um mehrere Kilometer gegeneinander verschoben. Die Forscher erwarten nun die weltweit ersten Gesteinsproben aus einer solchen Region. Der Erfolg läßt die Panne vom vergangenen Juli vergessen. Damals fraß der Bohrer sich in 6774 Meter Tiefe fest und blieb damit genau einen Meter über der Marke des bis dahin tiefsten Lochs der alten Bundesländer stecken. Inzwischen haben die Ingenieure in zwei Anläufen einfach fünf Meter um das „Sommerloch“ herumgebohrt und die 7000-Meter-Grenze unterschritten.