Japaner, überall Japaner. Im Kolosseum, an der Fontana di Trevi, der Piazza di Spagna – wohin die Rom-Besucher kommen, die Japaner sind schon da und photographieren. Folglich wird man als asiatische Touristin in Italien ständig als Japanerin angesehen. In Rom und in Mailand sang man mir japanische Lieder vor. Italienische Männer sind ja, so war meine schlichte Vorstellung, voller Temperament und jederzeit bereit, ein weibliches Herz zu erobern. Aber japanische Lieder hatte ich mit Sicherheit nicht erwartet. Immerhin ist es angenehmer, genauer gesagt, ungefährlicher, als in Deutschland als Vietnamesin oder Thailänderin zu gelten.

Ich erinnere mich an einen Frühlingstag in Sangerhausen, Sachsen-Anhalt, wo mein deutscher Freund und ich seine Eltern besuchten. Mein Freund wollte unbedingt in den Plattenladen der kleinen Stadt, auch wenn er bereits alle möglichen und unmöglichen Platten besaß. „Fünf Minuten“, versprach er. Ich ging auf und ab, fünf Minuten waren längst vergangen, und stellte mir das Schlimmste vor. Gewiß war er wieder in Platten ertrunken. Da stand ein Fremder vor mir. „Marlboro?“ – „Wie bitte?“ – „Na Marlboro, drei Päckchen!“ Ich konnte nicht dienen. Er brabbelte etwas und verschwand. Ich stand sprachlos.

Hinterher beschwerte ich mich bei meinem Musikfanatiker: „Laß mich nie mehr allein auf fremden Straßen, sonst packe ich meinen Koffer.“ Das war, ehrlich gesagt, Theater. Aber konnte ich wissen, was man das nächste Mal von mir wollte in diesem entwickelten Land?

Als Taiwanesin komme ich selten klar mit Deutschen, die für „exotische Damen“ ausschließlich erotisches Interesse aufbringen. Was bewirkt hier ein höfliches Lächeln? Was erzeugt ein freundliches Gesicht bei den starrenden Männern auf der Straße, im Café? In Asien überbrückt man peinliches Schweigen lächelnd, wehrt lächelnd zudringliche Blicke ab.

Ich unterhalte mich gern. So liefen die meisten Gespräche ab: „Woher kommen Sie?“ – „Aus Taiwan.“ – „Ah, Thailand, kenne ich.“ – „Nein, Taiwan, nicht Thailand.“

Ich gab mir größte Mühe zu erklären, was Taiwan sei und wie es zu China stünde. Ich nahm das Beispiel von DDR und BRD zu Hilfe. Umsonst, sie blieben bei ihren Kenntnissen, sichtlich mehr an weiblicher Biologie interessiert als an Geographie.

„Bangkok ist eine wunderschöne Stadt. Wir Deutschen machen gern dort Urlaub.“ Taiwan also bereits wieder vergessen.