Von Zalmay Khalilzad

LOS ANGELES. – Zwischen den Zielen des Westens in Bosnien und der westlichen Strategie, diese Ziele zu erreichen, klafft ein Widerspruch, der immer größer wird. Wenn wir unsere Strategie nicht entscheidend ändern, riskieren wir, gegen unsere eigenen Interessen zu handeln – mit weitreichenden Folgen.

Die Strategie des Westens hat es nicht vermocht, die territorialen und ethnischen Angriffe der Serben zu beenden. Die Vermittlungsversuche der Vereinten Nationen und der Europäischen Gemeinschaft scheitern, weil die Serben militärisch gewinnen. Dieser Erfolg scheint die Serben nur noch mehr anzuspornen.

Die Gefahr, daß der Krieg sich ausbreiten wird, ist größer geworden. Insbesondere das Kosovo ist ein Pulverfaß. Milošević ist bereit, im Kosovo zu wiederholen, was er und seine Vertreter in Bosnien bereits getan haben. Von all den Umständen, die das Ausbrechen eines Konflikts im Kosovo beschleunigen könnten, wäre ein serbischer Sieg in Bosnien mit Abstand der gewichtigste.

Wenn der Westen seine Politik nicht ändert, wird er am Ende vor der Alternative stehen, entweder seine Ziele preiszugeben und die Zerstörung Bosniens hinzunehmen oder aber eine große Zahl amerikanischer und multinationaler Truppen für einen möglichen Kampfeinsatz nach Bosnien zu entsenden.

Noch ist Zeit, die Strategie so zu verändern, daß der Westen eine Entscheidung zwischen diesen beiden Möglichkeiten vermeiden kann. Neben der Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien und der weiteren Verschärfung des Embargos gegen Serbien sollte der Westen unverzüglich damit beginnen, den bosnischen Kämpfern Waffen zu geben und sie militärisch auszubilden.

Die amerikanische Regierung hatte im August eine Bewaffnung der Bosnier erwogen und verworfen. Doch angesichts der Ereignisse seither wäre es moralisch falsch und widerspräche den amerikanischen Interessen, am Waffenembargo gegen die bosnischen Opfer von Milosevic festzuhalten.