Vor der Siemens-Bilanzpressekonferenz hatten Vermutungen über hohe Verluste bei Siemens-Nixdorf und anderen Konzernteilen sowie nach unten revidierte Gewinnschätzungen nicht nur den Kurs der Siemens-Papiere, sondern auch die Gesamttendenz am Aktienmarkt negativ beeinflußt.

Erst am Wochenbeginn ließ der Druck auf den Siemens-Kurs nach. Einige Analysten großer deutscher Banken waren zu dem Schluß gekommen, daß der Pessimismus übertrieben war.

Von dieser Einschätzung profitierte der Gesamtmarkt, dessen Kursniveau – allerdings bei sehr kleinen Umsätzen – einigermaßen stabil blieb. Zum Teil ist dies auch auf den festeren Dollar zurückzuführen. Der Kursverlust der D-Mark nährt die Hoffnung auf bessere Geschäfte der deutschen Industrie im Ausland. Damit wird der nachlassende Druck auf die deutschen Autoaktien begründet. Bemerkenswert stabil lagen VW-Aktien. Dem neuen Vorstandschef Piëch trauen die Börsianer offenbar zu, die Kosten in Wolfsburg nachhaltig zu senken.

Weniger gut als erwartet entwickelten sich die Bankaktien. Statt, wie in Phasen sinkender Zinsen üblich, zu steigen, lagen die Kurse eher niedriger. In Börsenkreisen wird behauptet, daß die gegenwärtig die Märkte dominierenden institutionellen Anleger mit zinssensitiven Bankaktien seit langem gut eingedeckt sind und nun darauf warten, Kursgewinne realisieren zu können. Ausländer halten sich bei dieser Branche ohnehin zurück.

Mit großer Spannung wird jetzt die bevorstehende Kapitalerhöhung bei der Commerzbank verfolgt. Der vergleichsweise niedrige Ausgabekurs für die jungen Aktien sollte für eine mehr oder weniger reibungslose Plazierung sorgen.

Vergleichsweise gut gehalten haben sich in jüngster Zeit Mannesmann-Aktien. Dabei wird immer wieder auf das angeblich gute Geschäft im Mobilfunk hingewiesen. Es gibt aber auch Gerüchte, wonach sich im Ausland in den Aktien von Mannesmann ein Paket bilden soll.

Nach dem Fall Hoesch sind die Börsianer in dieser Hinsicht hellhörig geworden, so daß inzwischen auch sogenannte Meinungskäufe zu beobachten sind. Vom Kurs-Gewinn-Verhältnis her gilt Mannesmann als preiswert. Die Frage ist allerdings, ob und wieweit die Gewinnschätzungen auch hier herabgesetzt werden müssen. K. W.