Von Christoph Bertram

Jerusalem

Gewiß würde Israels Außenminister Schimon Peres lieber Fortschritte im Friedensprozeß verkünden. Statt dessen muß er sich mit der weltweiten Empörung über die Deportation von 415 Palästinensern auseinandersetzen. Aber im Gespräch macht Peres deutlich, wie sehr für ihn und die Regierung unter Ministerpräsident Jitzhak Rabin der Kampf gegen die Hamas-Fundamentalisten mit dem Weg zum Frieden im Nahen Osten zusammenhängt.

Die Abschiebung hat Israels internationalem Ansehen geschadet, räumt Peres unumwunden ein. Aber er fügt hinzu: "Wenn Israel nichts gegen die Hamas unternommen hätte, wäre das noch viel schlimmer gewesen." Denn die fundamentalistische palästinensische Bewegung gefährdet, davon ist man in Israel überzeugt, nicht nur die Sicherheit im besetzten Westjordanland und im Gaza-Streifen, sondern auch die Aussicht auf einen Frieden in der Region.

Hamas ist sowohl eine Anti-Israel- als auch eine Anti-Friedens-Bewegung, die sich gleichermaßen gegen die Besatzer wie gegen gemäßiigte Palästinenser und die PLO richtet. Manche Hinweise, die zur Ergreifung der nun Deportierten geführt haben, seien von PLO-Funktionären gekommen, wird aus Geheimdienstquellen kolportiert. Wohnungsbauminister Benjamin Ben-Eliezer erklärte am Montag öffentlich, zwei Mitglieder der palästinensischen Verhandlungsdelegation bei den Friedensgesprächen hätten ihn anschließend angerufen und die Aktion begrüßt.

Schimon Peres beteiligt sich nicht an diesen Spekulationen. Aber er zeigt sich besorgt, eine bewaffnete, kompromißlose Minderheit der Palästinenser könnte einer unbewaffneten, zum Frieden mit Israel bereiten Mehrheit ihren Willen aufzwingen. "Das palästinensische Volk", sagt Peres, "ist ein intelligentes Volk, das den Frieden will. Aber es hat keine Regierung, keine durch Wahlen legitimierte Mehrheit. Wir wissen gar nicht, ob die Leute, mit denen wir verhandeln, auch .tatsächlich die Unterstützung der Mehrheit haben. Und so könnte sich am Ende eine bewaffnete Minderheit durchsetzen."

Längst rächt sich, daß während der 25 Jahre währenden israelischen Besetzung nie der Versuch gemacht wurde, die Palästinenser in freier Wahl ihre eigenen Vertreter bestimmen zu lassen. Anders als die Likud-Regierung, die Wahlen stets verhinderte, fordern Rabin und Peres die Palästinenser jetzt auf, sie baldmöglichst abzuhalten.