DÜSSELDORF. – Bevor er Ort und Termin für ein Interview vereinbart, fragte Uwe Goller am Telephon, wie er denn sicher sein könne, daß der Anrufer auch tatsächlich Journalist sei. Bei der Deutschen Volks-Union (DVU) habe unlängst jemand angerufen und sich als Spiegel-Redakteur ausgegeben. Als die DVU-Politiker zum vermeintlichen Interview erschienen seien, hätten „linke Schläger“ ihnen aufgelauert und sie furchtbar verprügelt. Man müsse vorsichtig sein in diesen Zeiten; es herrsche „Pogromstimmung gegen Rechte“.

Uwe Goller ist Landesvorsitzender der Republikaner in Nordrhein-Westfalen – der vierte innerhalb von drei Jahren. Nach dem Rentner Kurt Beckmann, der Seherin Etti Scherer, die stets das siderische Pendel schwang, und nach dem Rep-Mitbegründer Ekkehard Voigt führt der dreißigjährige Zeitsoldat Goller seit zwei Jahren den Landesverband. Außerdem gehört er dem Bundesvorstand der Partei an und sitzt der vierköpfigen Rep-Fraktion im Stadtrat von Hamm vor. Dort erhielten die Rechtsradikalen bei der letzten Kommunalwahl 7,1 Prozent der Stimmen.

In 22 von 54 Kreisen und Städten traten sie damals, im Oktober 1989, an und errangen insgesamt 43 Mandate. Besonders gut schnitten sie, außer in Hamm, in Köln (7,4 Prozent), Gelsenkirchen (7,4), Dortmund (6,3) und Düsseldorf (6,2) ab. Bei der Landtagswahl 1990 kamen sie nur auf 1,8 Prozent – trotz des aus Bayern eingeflogenen Spitzenmanns Voigt. Damals, meint Goller, „sind wir von der Mauer erschlagen worden“. Im Wiedervereinigungstaumel, als „King Kohl“ die Szene beherrschte, habe sich „kein Schwein um die Republikaner gekümmert“.

Bei den bevorstehenden Wahlen freilich, glaubt der Landeschef, werde seine Partei großartige Ergebnisse erzielen, vor allem bei der Europawahl Anfang 1994, bei der seine Partei gegen die Maastrichter Verträge und für die Erhaltung der D-Mark eintreten wolle. Und stolz verweist Goller auf eine von der Landes-CDU in Auftrag gegebene Umfrage, wonach die Republikaner bei Landtagswahlen derzeit auf sechs Prozent der Stimmen kämen.

Die Chancen seiner Partei an Rhein und Ruhr hätten sich vor allem auch verbessert, weil sich die Republikaner von den Alt-Nazis, den Ewiggestrigen, getrennt hätten. Die Fraktion in Hamm sei landesweit die einzige, die noch in ihrer Zusammensetzung von 1989 existiere. Die fünfköpfige Düsseldorfer Fraktion etwa hat sich inzwischen in drei Gruppen zerstritten. Besonders wild ging es in Köln zu, wo sich die Fraktion mit der Düsseldorfer Parteizentrale heftige Kämpfe lieferte. Von den einst sieben Ratsmitgliedern sind jetzt nur noch drei in der Partei. Zwei ehemalige Rep-Ratsherren waren als Mitglieder der neugermanischen Sekte Wotans Wölfe enttarnt worden; sie hörten dort als Priester auf die Namen Mannus und Högni. Landesweit überzogen die Republikaner einander mit Parteiordnungsverfahren, denunzierten sich gegenseitig und bemühten auch ordentliche Gerichte.

In der Öffentlichkeit fiel die Partei weniger durch politische Arbeit als vielmehr durch Straftaten auf. In Krefeld veranlaßte die Staatsanwaltschaft beim stellvertretenden Republikaner-Vorsitzenden eine Hausdurchsuchung; ihm waren 600 000 Mark, die ihm Arbeitskollegen anvertraut hatten, angeblich „abhanden gekommen“. Zur Kommunalwahl fälschten Unterschriftensammler der Partei in mehreren Städten Unterstützungsunterschriften, die für die Zulassung von Wahlvorschlägen erforderlich sind. Erst kürzlich erklärte das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht die Wahl zum Kreistag von Recklinghausen für ungültig. Die Republikaner hatten dort mit 5,1 Prozent knapp den Einzug geschafft. In drei Wahlbezirken hatten sie jedoch gefälschte Unterschriften vorgelegt. Die Wahl wurde in diesen Bezirken wiederholt – ohne die Republikaner. In der Folge sank ihr Stimmenanteil auf 4,8 Prozent; sie mußten den Kreistag wieder verlassen.

In Köln hatten die Verfasser einer Broschüre mit dem Titel „7,4 Prozent Reps in Köln – was nun?“ unter nächtlichem Telephonterror zu leiden. Einem der Autoren, Claus Leggewie. drohten die Anrufer Gewalt bis zum Mord an, wenn er seine „linke Schreiberei“ nicht lasse. Und als ein Pfarrer seine Gemeinde davor warnte, rechtsradikale Parteien zu wählen, terrorisierten auch ihn wochenlang anonyme Anrufer und drohten: „Wenn Sie nicht aufhören, dann brennt’s.“