Von Ralf Neubauer

In der Rolle des reuigen Sünders hat sich Günter Rexrodt noch nie gefallen. Sein Selbstbewußtsein bleibt auch dann unerschütterlich, wenn er sich einen eigentlich unverzeihlichen Fehler geleistet hat. So geschehen zum Beispiel am Freitag voriger Woche. Bundestagsfraktion und Vorstand der FDP hatten den Berliner gerade als Kandidaten für das Wirtschaftsministerium nominiert, da machte er dem Bundeskanzler bereits Vorschriften. Helmut Kohl habe die Entscheidung der Liberalen, ihn als Nachfolger von Jürgen Möllemann vorzuschlagen, nur "zur Kenntnis zu nehmen und zu bestätigen", erklärte Rexrodt den verblüfften Journalisten. Das letzte Wort liege dann beim Parlament.

In seiner überschäumenden Freude hatte der frisch gekürte Kandidat offenbar Grundgesetz und Berliner Landesverfassung durcheinandergebracht. In Berlin werden Senatoren tatsächlich vom Parlament gewählt. Bundesminister dagegen ernennt der Bundespräsident auf Vorschlag des Bundeskanzlers, und der heißt nun mal Helmut Kohl.

Rexrodt sprach hinterher von einer "Dummheit": "Ich habe es nicht so gemeint."

Bereits am Samstag saß der liberale Aufsteiger mit der Aura des ewig braungebrannten Dressman (Bild: "So sieht ein Sieger aus") wieder an seinem Schreibtisch in der Treuhandanstalt, um mit den nötigen Aufräumarbeiten zu beginnen.

Die politische Aufräumarbeit leisteten derweil andere. Bundesaußenminister Klaus Kinkel, der kommende FDP-Vorsitzende, drohte in einem Interview vorsorglich mit einer Koalitionskrise, falls der Bundeskanzler Rexrodt nicht akzeptiere. Helmut Kohl konterte am Montag mit einem öffentlich gemachten Brief an Kinkel und den FDP-Fraktionschef Hermann Otto Solms, in dem er sich bitter über die "inakzeptablen Äußerungen" des liberalen Ministerkandidaten beschwerte.

Das Hickhack verdeutlicht, wo eine Achillesferse des smarten Newcomers liegt. Zwar kennt sich Rexrodt als ehemaliger Finanzsenator Berlins in den Niederungen der Landespolitik aus; auf dem rutschigen Bonner Parkett muß er aber erst noch Halt finden, und das binnen kürzester Frist. Bereits Ende des Monats, wenn die Verhandlungen über den Solidarpakt für Ostdeutschland in die heiße Phase gehen, muß er wirtschaftspolitisches Profil zeigen und eigene Akzente setzen.