James Cook, Seefahrer, Forscher und Entdecker, wird 1728 in Marton als achtes Kind eines armen Bauern aus Yorkshire geboren, heuert mit achtzehn an und arbeitet auf einem Kohlenkahn, bis er 1755 als Steuermannsgehilfe in die Royal Navy eintritt.

Seinem wissenschaftlichen Ehrgeiz, seiner Neugier und erstaunlichen Kenntnissen im Vermessungswesen verdankt er den Auftrag, als Kommandant und Kartograph auf der Northumberland den Sankt-Lorenz-Strom zu befahren. Cooks glänzende Begabung und seine Unerschrockenheit machen Eindruck auf die Admiralität. Die Königliche Geographische Gesellschaft und die Lords der englischen Marine beauftragen ihn zur ersten großen Forschungsreise auf der Endeavour. Über Kap Horn segelt Cook nach Tahiti, Neuseeland und Java. Die zweite Entdeckerroute führt über Kapstadt zum Polarkreis, den Osterinseln und Neukaledonien. Auf seiner dritten Expedition sucht er die nördliche Durchfahrt zwischen Pazifik und Atlantik, kommt nach Tasmanien, Neuseeland und Hawaii.

Nicht Goldgier, Brutalität und Missionswahn eines Pizarro oder Cortes bewegen ihn zu den tollkühnen Weltumseglungen, sondern grenzenlose Wissenslust.

Pierre Marc hat Leben und Abenteuer dieses klugen, wagemutigen Engländers in acht Kapiteln eines ungewöhnlich schönen Erzähl-Sachbuches beschrieben. Und Jindra Capek, international gerühmter Maler aus Böhmen, hat diesen Band mit Bildern ausgestattet, die weit über alles hinausgehen, was gemeinhin Illustration genannt wird.

Es sind Farbtafeln und Schwarzweißzeichnungen von bestechend vollendeter Handwerklichkeit, Schönheit und Brillanz. Es sind im wörtlichen Sinne Entdeckungen: Denn Čapek lüftet den Schleier banaler Dinglichkeit. Er gibt dem Betrachter über die treuliche Beschreibung tropischer Fauna, Flora und Landschaft hinaus eine Atmosphäre von Exotik, Abenteuer und kunstvoll gemaltem Rapport.

Čapeks Landschaften und Figuren – klare, manchmal fast strenge Kompositionen – wollen den schaulustigen Leser mit Raffinement an die Malgeste kolorierter Stiche aus dem frühen 18. Jahrhundert erinnern. Statt dramatisch aufgemotzter Abenteuerbilder sind so Farbtafeln von sanfter, suggestiver Intensität entstanden. Auch Cooks vorangestelltes Bildnis ist nicht das übliche repräsentativ-elegante Gesellschaftsportrait – wie etwa Nathaniel Dance Holland den gefeierten Cook malte. Čapek verzichtet auf Kostüm und gibt die Essenz: Er zeigt uns den herben kantigen Schädel, Cooks unbestechlichen forschenden Blick in einer strengen Schwarzweißmanier. Mit derselben makellosen Feder zeichnet er Joseph Banks, den Botaniker, Carl Daniel Solander, den Landschaftsmaler Sydney Parkinson, jene Männer, die Cook auf seinen Expeditionen begleiteten.

Zwischen die Texte gestreut: geographische Karten, Gebrauchsgegenstände, Waffen, Handwerkszeug, Kopfschmuck und Tätowierung der indianischen Urbevölkerung, tropische Vögel, Fische, Blumen, Muscheln und immer wieder betörend schöne Landschaften. Dies alles mit dem filigranfeinen Strich des Könners, der raffiniert die Zeichengeste eines zeitgenössischen Chronisten annimmt.