Neun Gymnasiallehrer haben dieses „Geschichtslexikon“ verfaßt, das vor allem jungen Leuten historisches Kompaktwissen vermitteln soll. Das Ergebnis ihrer Gemeinschaftsarbeit ist allerdings teilweise recht blamabel.

Zwar geben die Autoren auf relativ viele Fragen leichtverständlich formulierte Antworten; ihr alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk reicht von „Abessinienkrieg“ bis „Zypernkonflikt“. Doch stören auf all den Seiten immer wieder Druck- und Rechtschreibfehler. Ein großer Teil der Schwarzweißabbildungen hat fast nur Briefmarkenformat, Details sind meist nicht zu erkennen. Ähnliche Schwächen zeigen die Karten, deren bloße Gestaltung in Grau- und Grüntönen keineswegs deutliche Unterscheidungen zuläßt.

Der lexikalische Schabernack geht weiter – und ärgert zugleich den Leser. Da wird beispielsweise einerseits richtig über den Russisch-Japanischen Krieg, den Kapp-Putsch und das Münchner Abkommen informiert, andererseits werden hierzu aber fehlerhafte Jahreszahlen genannt: 1903/05,1922,1939. Und schlichtweg falsch sind etwa Erklärungen zu Mohammeds Wirken, zum Ende der chinesischen Monarchie, zur USPD, zum Schwarzen Freitag oder zur SA.

Eine besondere Lücke fällt unter dem Buchstaben N auf. Herausgeber Pleticha hat bei seinen acht Mitarbeitern zwar einige Artikel bestellt, in denen das „Dritte Reich“ und dazugehörige Themenbereiche berücksichtigt werden, einen gesonderten Beitrag über den Nationalsozialismus offensichtlich nicht.

Die Mehrzahl der Autoren unterrichtet noch Geschichte, ein paar von ihnen sind außerdem Seminarlehrer, dabei geben sie Schülern und Referendaren gelegentlich Zensuren. Mit diesem „Geschichtslexikon“ freilich stellen sie sich selbst ein schlechtes Zeugnis aus. Werner Hornung

  • Heinrich Pleticha (Hrsg.):

Geschichtslexikon

Kompaktwissen für Schüler und junge Erwachsene; 2. Aufl.; Verlag Cornelsen Scriptor, Frankfurt/Main 1992; 448 S., 29,80 DM