Von Reinhold Rombach

Fachleuten über die Schulter zu schauen und an ihren Anlageüberlegungen teilzuhaben kann für Hobbybörsianer und andere Geldanleger hilfreich sein. Vielleicht läßt sich gar für das eigene Portfolio einiges Wissenswerte aufschnappen. So war zumindest die Wunschvorstellung im Jahr 1986, als der erste ZEIT-Börsenwettbewerb für Wertpapierprofis ausgeschrieben wurde.

Ob die Erwartungen erfüllt werden, bleibt nach nunmehr sechs Jahren ZEIT- Börse allerdings Ansichtssache. Auch professionelle Geldmanager kochen nur mit Wasser: Überdurchschnittliche Gewinne waren selten, es gab viel Mittelmaß und leider auch herbe Verluste.

Zugegeben, das zurückliegende Jahr verlangte den Börsianern einiges ab. Aber gerade in dieser Endphase der Hausse wäre der gute Rat eines Aktienprofis für das Wohl und Wehe eines Depots doppelt wichtig gewesen. Hohe Zinsen in Deutschland, Rezession in den USA und die politischen Wirren im Osten trübten den Blick nach vorne.

In dieser schwierigen Situation zeigt eine Frau, wie sich ein Depot sicher und dennoch renditestark steuern läßt. Mit dem erstaunlichen Gewinn von 21,12 Prozent beendete Elisabeth Höller aus Zürich das Jahr und ließ damit die Konkurrenz weit hinter sich. Wer glaubt, das sei ein Zufallsprodukt, muß sich eines Besseren belehren lassen. Die Chefin der gleichnamigen Züricher Vermögensverwaltung hatte bereits im Jahr zuvor mit einem ähnlich guten Resultat die Konkurrenz auf die Plätze verwiesen.

Derartige Erfolge machen neugierig auf das Wie und Warum, auf eventuell besondere Tricks und Kniffe im Wertpapiergeschäft. Aber, so Elisabeth Höller selbstbewußt, „der Anlageerfolg ist das Ergebnis einer arbeitsaufwendigen, weltweit orientierten Selektion von Titeln“. Die entscheidende Fragestellung laute: Welche Aktien versprechen einen möglichst verläßlichen hohen Gewinn bei einem minimalen Rückschlagsrisiko? Wenn eine Aktie nicht wenigstens zwanzig Prozent Kurssteigerung verspricht, erklärt die Züricherin, lasse sie die Finger davon.

Dieser Anlagestil, den die Bankerin als „Value investing“ bezeichnet, setze das ständige Beobachten der fundamentalen Situation an den Aktien- und Anleihemärkten weltweit voraus. Die technische Analyse nutzt sie als ergänzendes, unterstützendes Instrumentarium, aber immer im Gleichschritt mit dem Ergebnis der fundamentalen Analyse des untersuchten Unternehmens.