HÖNNINGEN. – Eigentlich gibt es nichts Ungewöhnliches in dem kleinen Ort im Ahrtal. Auf halber Strecke zwischen Altenahr und dem Nürburgring, direkt an der Bundesstraße 257, spielt sich aber seit Jahren eine kleine Tragödie ab, die das Dorf weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht hat.

Täglich rollen rund 10 000 Autos und Schwerlaster durch die Hauptstraße, die im Ortskern so eng ist, daß zwei Laster nicht aneinander vorbei kommen. Die Fahrerei beginnt wochentags bereits gegen sechs Uhr, wenn die ersten Pendler aus der Eifel in Richtung Bonn und Köln starten. Tagsüber herrschen die Könige der Landstraße in Hönningen, wenn die Mineralbrunnen und andere Unternehmen der Umgebung von Lastern angesteuert werden. Abends fließt der Berufsverkehr in der umgekehrten Richtung durch den Ort.

Auch an zahlreichen Wochenenden hält das Verkehrschaos an. Der Nürburgring lockt Tausende zu Großveranstaltungen, eine der Zufahrtsstrecken verläuft durch den Engpaß in Hönningen. Den Anwohnern bleibt durch den Gestank der Abgase die Luft weg, auch der ständige Lärm macht ihnen zu schaffen. Daher entstand bereits vor über fünfzig Jahren die Idee einer Ortsumgehung. Die topographischen Verhältnisse im engen Ahrtal sind allerdings nicht günstig, so daß man anfangs einen Tunnel bauen wollte. Doch die Kosten erschienen den Verantwortlichen zu hoch.

Eine neue Möglichkeit zeichnete sich 1985 ab, als die Bundesbahn die Linie zwischen Altenahr-Kreuzberg und Adenau für den Personenverkehr einstellte. Die Eisenbahngleise wurden bis Hönningen abgebaut, die Bahntrasse bot sich nunmehr für eine Ortsumgehung an. Die Planer ersannen eine weitaus kostengünstigere Lösung für den geplagten Ort. Doch dabei hatten sie ihre Rechnung ohne eine Kolonie von Fledermäusen gemacht.

Seit Jahrzehnten schlagen sie ihr Sommerquartier in Hönningen auf – just im Dachgeschoß des Bahnhofsgebäudes, das direkt an der geplanten Umgehung liegt. Schon seit 1959 steht die Fledermauskolonie unter der intensiven Beobachtung von Wissenschaftlern des zoologischen Museums Koenig in Bonn. Die durchschnittlich hundert Tiere siedeln dort während der Sommermonate, um ihre Jungen aufzuziehen, im Winter verlassen sie die Ahrregion in Richtung wärmerer Gefilde.

Da es sich um eine der nördlichsten Populationen der vom Aussterben bedrohten Tierart handelt, ist das Interesse der Biologen groß. Für die Tiere wurde sogar eigens eine thermostat-gesteuerte Heizung im Dachgeschoß des Bahnhofes eingebaut.

Als nun bekannt wurde, daß am Sommerquartier der Fledermäuse eine Ortsumgehung errichtet werden soll, waren die Wissenschaftler empört: Die Jungtiere könnten den Fahrzeugen auf der Umgehung nicht ausweichen; ein Massensterben wäre die Folge. Mit dem Veto der Biologen lag die Hönninger Ortsumgehung erneut auf Eis.