So zügig, wie sie begonnen haben, werden die Tarifverhandlungen für die 2,3 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst wohl nicht weitergehen. Zwar ist die Differenz zwischen dem ersten Angebot der Arbeitgeber (2,25 Prozent) und der Forderung der ÖTV (5 Prozent) nicht besonders groß. Für Zündstoff aber wird die „soziale Komponente“ sorgen, die diesmal der Gewerkschaft so sehr am Herzen liegt.

Der Gewerkschaft, richtig gelesen! Recht hat auch, wer meint, daß das im vorigen Jahr ganz anders war. Zur Erinnerung: Damals hatten die Arbeitgeber auf einer solchen sozialen Komponente bestanden und die Arbeitnehmerseite damit in arge Bedrängnis gebracht. Nur zähneknirschend ließen sich die Gewerkschaftsvertreter auf den Wettlauf um die Gunst der Einkommensschwachen ein. Die Tarifwelt stand auf dem Kopf. Jetzt scheint sie wieder in Ordnung, die alten Fronten stimmen. Aber wer hat nun eigentlich recht? Kann denn, was gestern als richtig galt, heute schon wieder falsch sein? Vielleicht ist die Antwort ganz einfach: Alles ist eine Frage der Taktik, Überzeugungen spielen keine Rolle. ms