Von Bernd Loppow

Lufthansa-Kunden, die auf innerdeutschen Flügen das Bordfrühstück aus der Plastiktüte mampfen, können fortan von weit edleren Genüssen träumen: Das von einem preisgekrönten Lufthansa-Küchenchef persönlich zubereitete, exquisite Menü wird einer bis zu zwölf Personen zählenden Partygesellschaft im Hause des Gastgebers von einer Stewardeß serviert. Um nichts hat sich der Herr des Hauses zu kümmern. Vom Champagner bis zum Digestif, vom Geschirr über Gläser bis zu Messer und Gabeln: Für alles sorgt die Lufthansa (LH) und zahlt auch noch die Zeche – vorausgesetzt, der Hausherr nimmt am neuen Bonusprogramm des Unternehmens teil und hat innerhalb von zwei Jahren die Kleinigkeit von beispielsweise 500 Inlandsflügen in der Business Class der Kranichlinie absolviert.

Die Aktion "Rent-a-Chef" ist die höchste Prämie des Programms "Miles and More", mit dem die Manager des in die Krise geratenen Staatsunternehmens seit Anfang des Jahres ihre Kunden bei der Stange halten und davongelaufene Passagiere zurückerobern wollen. Leichter kann dagegen ein innerdeutscher Freiflug ergattert werden. Wer einmal in der Business Class nach New York und zurück fliegt, erhält ein Gratisticket für die Touristenklasse.

Die Prämienprogramme entstanden in den USA. Mit ihrer Hilfe versuchten die Airlines nach der Deregulierung des amerikanischen Luftverkehrs vor fünfzehn Jahren ihre Kunden stärker an sich zu binden. Auch deutsche Geschäftsleute, die häufig in den USA zu tun hatten, wurden zunehmend vom Bonusvirus der Amerikaner infiziert. Sie konnten sich bei Delta, Pan Am, United oder American Airlines geflogene Meilen auf einem Punktekonto gutschreiben lassen und brauchten zuletzt nicht mal eine Geschäftsadresse zwischen New York und San Francisco anzugeben. Die Folge: Dank dieser Bonbons und häufig niedrigerer Preise der US-Konkurrenz sank der Anteil der Lufthansa am Nordatlantikverkehr zwischen Deutschland und den USA von über fünfzig auf unter dreißig Prozent.

Weil im EG-Binnenmarkt und von der weitgehenden Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs seit Jahresbeginn ein ähnlich scharfer Konkurrenzkampf zwischen den europäischen Fluggesellschaften erwartet wird, belohnten europäische Lufthansa-Konkurrenten wie Iberia, KLM, Austrian, SAS oder Air France schon vergangenes Jahr auch deutsche Kunden mit Vorteilen aus ihren Vielfliegerprogrammen, die das Bundesverkehrsministerium genehmigte.

Sie funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip und beruhen auf dem Sammeln von Flugmeilen oder Punkten für geflogene Strecken in einem bestimmten Zeitraum, meist ein oder zwei Jahre, auf eigenen Flügen oder bei Partner-Airlines. Freimeilen oder Punkte gibt es zusätzlich bei der Buchung von Mietwagen oder Hotelübernachtungen bei dem Programm angeschlossenen Partnerunternehmen. Abhängig von der erreichten Meilen- oder Punktzahl erhalten die Teilnehmer Upgradings, Freiflüge unterschiedlicher Länge in der Economy, Business oder First Class, kostenlose Urlaubsreisen oder andere Prämien.

Rund 400 000 ihrer besten Kunden, so schätzt die Lufthansa, nahmen vor dem Start von "Miles and More" an den Programmen der europäischen und amerikanischen Konkurrenz teil und gingen dem Unternehmen auf den punktebringenden Strecken verloren. Nur British Airways, die in Deutschland erst ab Anfang April ein Prämiensystem für vielfliegende Geschäftsleute auflegt, ist später dran als die deutsche Staatslinie. Man habe "aus den Anfangsfehlern der anderen lernen" wollen, entschuldigen die Lufthansa-Offiziellen den flügellahmen Start.