In Sicherheit

Wieder einmal ist Bundeskanzler Kohl zu Unrecht kritisiert worden. Er wolle die geplante Kabinettsumbildung aufschieben bis nach dem 25. Januar. Dann nämlich wären auch die 1991 neu ernannten parlamentarischen Staatssekretäre zwei Jahre im Amt und besäßen folglich einen Pensionsanspruch. Die heftige öffentliche Kritik an diesem Zeitplan – die ZEIT sprach von einem Mißbrauch der Patronage – hatte Wolfgang Schäuble schon dazu veranlaßt, auf einen früheren Termin zu drängen. Doch vergeblich! Denn im Gesetz steht noch ein Satz mehr: „Bei der Berechnung der Amtszeit nach Absatz 1 und Absatz 3 Satz 1 gilt ein Rest von mehr als zweihundertdreiundsiebzig Tagen als volles Amtsjahr.“ Mit anderen Worten: Das zweite Amtsjahr braucht nur knapp neun Monate zu dauern. Die Betroffenen sind also schon seit fast einem Vierteljahr in Sicherheit. Nur: Wußten sie, wußten wir das? Vor allem: Wußte es der Kanzler?

Entartete Kunst

Eine Menge Glas zerdeppert haben die „Republikaner“ mit ihrem Angriff auf den weltweit renommierten Glaskünstler Erwin Eisch: Er entweiht in ihren Augen nicht nur die gute alte Glashüttenkunst mit einer verwirrend modernen Formensprache; er besaß auch die Frechheit, voriges Jahr im amerikanischen Philadelphia ausgerechnet einen Preis des dortigen Anne-Frank-Instituts entgegenzunehmen – für ein Werk zum Reizthema „Night of Chrystal Death“. Flugs warfen ihm die Reps im Kreistag von Regen nach einer Ausstellung im Kreiskrankenhaus „offensichtlichen Unfug“, „Verhöhnung“ der Publikumsintelligenz und „geistige Deformation“ vor. Ihr Landesvorsitzender Wolfgang Hüttl dehnte den Kunsttadel auch gleich auf die „Exkremente Manzonis“ und „Warhols Pinkelbilder“ aus und forderte die „Wiederkehr des Schönen“. Pech für die Anwälte des gesunden Volksempfindens, daß der Berufsverband Bildender Künstler nachlas und die Attacken als „fast wortwörtliche“ Hitler-Zitate aus dem Ausstellungskatalog „Entartete Kunst“ 1937 entlarvte. Mittlerweile hat sogar Bayerns Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) die Polemik der Reps zurückgewiesen.

Kuschelkissen

Möchten Sie mit Bill Clinton und Al Gore kuscheln gehen? Kein Problem, Anruf genügt – doch nicht im Weißen Haus, sondern im Andenkenladen gleich um die Ecke. Dort gibt es den Kissenbezug zum Amtsantritt, verziert mit den Köpfen von Präsident und Vizepräsident. Auf Wunsch wird auf den Platz zwischen ihnen das Konterfei des Käufers gedruckt. Dafür geben die meisten ein Profilphoto ab, um – sorry, Bill – Al anzuschauen. Also los: Es ist Zeit für einen Kissenwechsel.