Unser Thema heute: Der Prinz (schon freut sich der Leser). Der klügste Prinz war natürlich Prinz Hamlet. Immerzu sann er schwermütig nach über Sein oder Nichtsein. Nur manchmal dachte er niedrig und sagte schandbare Sätze wie diesen, zum armen Frl. Ophelia: "Ein schöner Gedanke, zwischen den Beinen eines Mädchens zu liegen." Trotz solcher Ausrutscher haben wir ihn immer geliebt.

Der kleinste Prinz (und unser liebster Liebling) war natürlich "der kleine Prinz". Sein oder Nichtsein war ihm nie eine Frage, das Weiberbein nie eine Sehnsucht. Seine schönste Zerstreuung war immer "die Lieblichkeit der Sonnenuntergänge". "An einem Tag", sagte der kleine Prinz, "habe ich die Sonne dreiundvierzigmal untergehen sehen."

Letzte Woche haben wir dann nach dem klügsten und dem kleinsten Prinzen auch noch den "letzten Prinzen" kennengelernt. Der Tänzer Rudolf Nurejew war es, so stand es im Spiegel. Zwar vertrauen wir prinzipiell mehr der ZEIT, wo Nurejew zum "Gott des Lichts, Gott der Luft" ausgerufen wurde. Aber wir wollen im Angesicht des Tanzes und des Todes nicht kleinlich sein: Gott und Prinz war für uns schon immer beinahe dasselbe.

Soviel zum Thema Prinz. Über den allerletzten Prinzen und seine außerehelichen Liebestelephonate werden Sie hier, an dieser nobelsten Stelle unseres noch immer angesehenen Blattes, nichts zu hören bekommen. Da müssen Sie schon zur Bunten greifen, wo man die Prinzen nicht mehr liebt, sondern zur Sau macht. Nur soviel: Einst wollten die Frösche Prinzen sein. Heute wollen die Prinzen Höschen sein. Hätten wir noch Tränen, würden wir sie weinen.

Aber es steht nicht nur Dreck in der neuen Bunten. Auch kulturell Hochstehendes. Vor allem dieses "Gespräch, bei dem die Funken fliegen", zwischen "zwei Titanen des Kulturbetriebs", André Heller und Prof. Dr. Joachim Kaiser (!). In dieser Konversation von platonischem Rang geht es um alles, ferner um Sein oder Nichtsein, des weiteren um Schönberg, Adorno und auch Prince (!). Die Dokumentation des Gesprächs besorgte umsichtig Wolfgang Prinz. Der Rest ist Schweigen, dreiundvierzigmal. Finis