ARD, donnerstags: "Blank Meier Jensen"

Krimi-Serien leben vom Temperament der Kriminalen. Dermaleinst hatten wir den solipsistischen Chef. Schrullig, gütig oder cholerisch tat er seine Pflicht und scheuchte seinen Assistenten, der über den Stichwortgeber nie hinauswuchs. Dieses autokratische Modell hat sich überlebt. Das wachsende Ansehen der Demokratie forderte gleichberechtigte Kooperation auch auf dem TV-Revier – es entstand das Bullen-Gespann, das die Arbeit und die zur Verbrecherjagd nötige Qualifikation teilte. Erst gemeinsam waren Schimmi und Thanner unschlagbar. Dann kam bei der Kripo das Team auf. Man ermittelt zu dritt und wirft die individuellen Kompetenzen in einen Pool, auf daß sie sich dort aneinander messen und steigern. Nebenbei wird der Frauenemanzipation Rechnung getragen und gern ein Weib ins Trio einbezogen. Beim Fernsehen nimmt man die Gelegenheit wahr und zeigt, daß nicht nur die Bösen Bein und Dekolleté zu bieten haben.

Krimi-Serien leben vom Geist der Kriminellen. Morde aus Eifersucht und Habgier sind Klassiker, die gültig bleiben, aber nichts Neues über die Bestie Mensch und jüngst erklügelte Infamien berichten. Internationaler Medikamentenschmuggel, Schieberei mit Programmiersystemen und Korruption im Sportmanagement verraten schon mehr über eine Epoche. Mit jeder Erfindung, jeder neuen Mode oder Technik entsteht auch eine Gelegenheit für neue Untaten – der Krimi kann hier den Geist der Zeit in gesetzesbrecherischer, das heißt besonders raffinierter Variation vorführen.

Eine solche, alle Chancen ausschöpfende Serie ist "Blank Meier Jensen" im Ersten Programm. Das Team hat zwar einen Häuptling, Blank (Joachim Kemmer); der aber weiß, was seine Stützen wert sind, und respektiert ihre Autonomie. Er selbst ist der knurrige Typ, dessen rauhe Schale jedoch nicht mal die Gangster täuscht. Meier (Dietmar Bär) hat den Instinkt des Fährtensuchers, der im vorigen Leben auch schon einer war, und Frau Jensen (Anja Schiller) ist erstens mit der Hochfinanz verwandt, was ihr manchen Tip einträgt, und zweitens ihrer rassigen Optik wegen als Lockvogel unersetzlich. Verdächtiger: "Wie kommt eine so schöne Frau wie Sie zur Polizei?" Jensen: "Das frag’ ich mich auch immer wieder."

Dem Publikum ist das egal, denn es nimmt dankbar Anja Schillers Reize als Dreingabe zu den nüchtern erzählten, tempo- und actionreich dargebotenen, brillant besetzten Episoden mit. "Blank Meier Jensen" hält sich bei Leben und Lieben seiner drei Helden nur solange auf, wie es nötig ist, damit sie dem Publikum ein wenig ans Herz wachsen; die Serie hat keine Zeit für Schmu und schickt die Drei nach kurzer Mittagspause erbarmungslos an die Front. Dort wird durchaus geschossen – und zwar von Profis. Die kriminelle Energie ist bei "Blank Meier Jensen" meist mafios organisiert, international vernetzt und entsprechend schwer zu fassen. Im Pilotfilm blieb sogar die Katharsis aus: Die Mörder entkamen ins Nirgendwo der globalen Connection, und die bodenständigen Bullen zogen geschlagen nach Haus. Dieser harsche Realismus, der sich nicht scheut, Genre-Regeln zu brechen, hebt "Blank Meier Jensen" über den Durchschnitt hinaus.

Barbara Sichtermann