Unter ihnen der Fernsehintendant Antun Vrdoljak, der in den Nachrichtensendungen und politischen Magazinen mit harter Hand für den rechten Ton sorgt. Jüngst maßregelte er einen Journalisten, der sehr verhalten kritisiert hatte, daß Tudjman ausgerechnet die Villa Zagorije zu seinem Präsidentensitz erkor. Tito hatte sie in den sechziger Jahren als seine Zagreber Residenz erbauen lassen.

Mit Josip Broz Tito verbindet Tudjman mehr als der gemeinsame Wohnsitz und die Herkunft aus der gleichen Gegend Kroatiens, aus der Zagorije. Die dalmatinische Zeitung Sloboda Damalcija machte sich bereits vor anderthalb Jahren darüber lustig und zeigte Photos der beiden: der "gute Führer" Josip mit Friedenstaube, der "gute Führer" Franjo mit Friedenstaube; Josip im hellen Sommeranzug im Stadion von Split, Franjo im hellen Sommeranzug im Stadion von Split; Josip bei der Gartenarbeit, Franjo bei der Gartenarbeit.

Das gleiche unbändige Imponiergehabe, die gemeinsame Vorliebe zur Selbstdarstellung müssen nicht verwundern – denn Franjo Tudjman hat lange von Tito gelernt. Schon früh, mit neunzehn Jahren, schloß er sich den kommunistischen Partisanen an. Mit ihnen kämpfte Tudjman gegen die deutsche Wehrmacht, den faschistischen kroatischen Ustascha-Staat und gegen die Tschetniks – jene Soldateska, die von einer großserbischer. Monarchie träumte und deren gleichnamiger. Nachfahren heute in den Dörfern und Städter Bosniens, in Ostslawonien und in der Krajina morden und brandschatzen.

Nach dem Sieg der Kommunisten blieb Tudjman in der Armee, trat an der Seite Titos für der Bruch mit der Sowjetunion ein und stieg in der fünfziger Jahren zum jüngsten General Jugoslawiens auf. "Einheit und Brüderlichkeit", jene vor Anfang an morsche Klammer, mit der Tito der Vielvölkerstaat zusammenzuhalten versuchte, hatte auch der ehrgeizige Tudjman damals ganz groß auf seine Fahne geschrieben. Erst nachdem er 1961 auf eigenen Wunsch aus dem Soldatendienst ausgeschieden war, distanzierte er sich allmählich von dieser für Armee und Partei heiliger Losung.

Im Institut für die Geschichte der Arbeiterbewegung in Kroatien war der inzwischen studierte Historiker auf geheime Dokumente gestoßen, die belegen, daß die kommunistische Führung geschichtliche Tatsachen verdreht und bewußt das Schreckgespenst einer kroatischen Kollektivschuld am Ustascha-Staat wachgehalten hatte. Diese Entdeckung, sagte er später, habe ihm "die Augen für die Verlogenheit des alten Regimes" geöffnet.

1967 kam es zum Bruch mit Tito. Tudjman machte sich mit einhundert kroatischen Professoren, Wissenschaftlern und Literaten für die Erhaltung der kroatischen Sprache stark. Es war das erste Mal nach 1945, daß die Kroaten ein eigenes nationales Anliegen laut vertraten. Tudjman verlor seinen Direktorenposten am Institut und wurde aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Doch der ehemalige General ließ sich nicht einschüchtern und engagierte sich immer verbissener für die kroatische Sache. Er mußte wegen "konterrevolutionärer Umtriebe" und "staatsfeindlicher Propaganda" zweimal ins Gefängnis.

Hier wandelte sich der Dissident und noch gemäßigte kroatische Patriot zu einem gefährlichen Nationalisten. 1989 rief er die Kroatische Demokratische Gemeinschaft, eine nationale Sammlungsbewegung rechts von der Mitte, ins Leben. Sie gewann bei den Parlamentswahlen 1990 und 1992 die absolute Mehrheit. Tudjman erreichte das Ziel seiner Träume: Er wurde Präsident und führte Kroatien in die Unabhängigkeit.