Doch wie lange wird er bleiben? Die Barbarei der Serben darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß der stolze, halsstarrige Mann ein gerüttelt Maß Schuld daran trägt, wenn die Völker Jugoslawiens heute im blutigen Streit liegen. Tudjman hat nie eine Gelegenheit ausgelassen, die rund 600 000 Serben, zwölf Prozent der Bevölkerung Kroatiens, auszugrenzen und zu verprellen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung rief er einer johlenden Anhängerschar zu: "Ich bin glücklich, weder mit einer Serbin noch mit einer Jüdin verheiratet zu sein." Den neuen Staat präsentierte er mit Symbolen, die auch schon die faschistischen Ustascha benutzt hatten. Vor allem das Schachbrett-Wappen in der Flagge Kroatiens ist bei vielen Serben seit den vierziger Jahren verhaßt.

Tudjman läßt bis heute jede politische Sensibilität vermissen. "Man muß nicht Historiker sein", sagte er bar jeden Gefühls für die Empfindlichkeiten anderer Völker, "um zu erkennen, daß Bosnien eine geopolitische Einheit mit Kroatien bildet. Sie gehören zusammen." Aus diesen unheilvollen Worten spricht kein Staatsmann, sondern ein größenwahnsinniger Möchtegern-Fürst, von denen sich auf dem Balkan viel zu viele tummeln.

Franjo Tudjman ist der falsche Präsident in einer schwierigen Zeit. Doch jetzt ist Krieg, und das Volk schart sich um seinen Führer.