Ist das Ihr Alter oder Ihre Semesterzahl?" pflegte der 1975 verstorbene Kölner Germanist Fritz Tschirch, ein unvergessenes Original, Studenten anzublaffen, wenn sich bei der Anmeldung zum Seminar deren Zahlenangaben zur Person im oberen zweistelligen Bereich bewegten. Einige Studenten blieben dann trotzdem bei ihm und machten relativ zügig ihr Examen. Der Rest verdrückte sich beschämt, und der eine oder andere von ihnen hat vielleicht gar Karriere als ewiger Student gemacht.

Aber nicht jeder, der seine 24, 30 oder 35 Semester auf dem Buckel hat, ist deshalb gleich auch ein Bummelant, Parkstudent oder ein durch den Job fürs Studium und das Studium für den Job doppeltbelasteter Schwerarbeiter, sondern möglicherweise einfach nur eine Karteileiche aus Kalkül.

Wenn nämlich die Vergünstigungen des Studentenstatus deutlich über den "Sozialgebühren" für die Uni bleiben, dann lohnt es, sich immer wieder zum Studium zurückzumelden, auch wenn man die Uni pro Semester nur einmal von innen sieht, nämlich beim Schlangestehen für die Rückmeldung. Dafür kommt man dann billiger ins Museum, ins Konzert, ins Theater und an manchen Tagen auch ins Kino. Man bezieht die Zeitung im Studentenabo, ist gar noch eine Weile krankenversichert, bucht im Reisebüro Studentenreisen, weiß den Nachwuchs gut im Unikindergarten untergebracht, und besonders widerstandsfähige und sparsame Naturen lassen sich gar wohlfeil in der Mensa weiter durchfüttern.

Honi soit qui mal y pense. Warum soll die Alma mater ihre Kinder nicht auch nach der Abnabelung ein wenig nähren? Diejenigen aber, die stets mit der Zahl von angeblich fast zwei Millionen Studenten Hochschulpolitik machen, seien dringend gebeten, zuerst einmal die Tausende von Karteileichen statistisch endgültig zu begraben.

Sabine Etzold