ESSEN. – Eigentlich sollte es ein Spaßbad werden, das die Bürger 1987 mitten in der City einweihten. Auf rund 6500 Quadratmetern und zwei Etagen, so dachten die Planer, würden die Besucher zwischen Palmen und Whirlpools, Planschbecken, Saunen und Wasserfall Alltag und Hektik vergessen. Heute, fünf Jahre später, ist Politikern und Bürgern der Spaß vergangen. Die Besucher blieben aus. Anstelle der erhofften 1700 Gäste täglich kamen zum Schluß gerade mal 500. Im vergangenen Jahr erreichten die Verluste zweistellige Millionenhöhe. Nach jahrelangem Hin und Her zwischen den einzelnen Ratsfraktionen wurde das Bad nun geschlossen.

Der Rat sah darin noch die billigste Lösung. Doch auch diese kostet die Stadt 2,4 Millionen jährlich, und das die nächsten zwanzig Jahre. Denn 1987 hatten die Essener mit dem Eigentümer, einem Immobilien-Fonds der Deutschen Genossenschafts Anlagegesellschaft in Frankfurt, einen Mietvertrag über 25 Jahre abgeschlossen. Allzu optimistisch hatte man der vollmundigen Erklärung des damaligen Bäderamtschefs Glauben geschenkt: „Die Zeit der viereckigen Bade-Becken ist vorbei. Neue Formen, neue Attraktivitäten, neuer Service sind notwendig, damit wir nicht eines Tages auf dem trockenen sitzen.“

Heute wäre man froh, wenn man das Bad so ohne weiteres trocken legen könnte: Das Schwimmbadwasser kann nicht abgelassen werden, weil es als Wasserreservoir für die Sprinkleranlage des Hochhauses dient, in dem das Bad untergebracht ist. Und weil noch Wasser im Becken ist, muß die Stadt auch weiterhin eine Angestellte beschäftigen, die sich um Chlorgehalt, pH-Wert und um die Schwimmbadtechnik kümmert. Ein einsamer Job: Dort, wo das Stimmengewirr der Badegäste durch die Luft dröhnte, wo Kinder planschten und kreischend durch die große Plexiglasröhre ins Wasser rutschten, hört man heute nur noch das gleichmäßige Rauschen der Umwälzanlage.

Verschiedene Ämter suchen nach neuen Nutzungsmöglichkeiten. Ideen, das Bad in ein Obdachlosenheim, einen Kinderhort, ein kulturelles Zentrum oder gar in ein Audimax zu verwandeln, wurden bereits vor Jahren ebenso schnell verworfen, wie sie auf den Tisch kamen.

Von Anfang an stand das Bad unter keinem guten Stern. Es sollte Essens Renommierbad werden, blieb jedoch stets Mittelmaß. Das fing schon bei der Namensgebung an: Aus dem „Holiday-Beach“ wurde schlicht das „Gildehof-Bad“. Die große Eröffnungsparty fiel dem Rotstift zum Opfer. Vier Tage nach der Eröffnung lösten sich Kacheln von den Wänden; wegen Unfallgefahr wurde das Bad zum ersten Mal geschlossen. Zwei Monate später war klar: die erwarteten Besuchermassen blieben aus. An Überschüsse dachte längst keiner mehr, die Eintrittsgelder deckten nicht einmal die Unkosten. Ein halbes Jahr später verunglückten zwei Kinder und starben an den Folgen ihrer Badeunfälle. Für das unübersichtliche Bad mußten weitere Bademeister eingestellt werden.

Auch die Lage direkt am Hauptbahnhof schien schlecht gewählt. Die Besucher kamen anstatt mit der Bahn weiterhin mit dem Auto, und dafür gab es nur in der Tiefgarage Platz. Das ging zusätzlich zu den hohen Eintrittspreisen (achtzehn Mark für Erwachsene, zehn Mark für Kinder) ins Geld. Der Blick auf vierspurige Straßen machte den Besuchern außerdem das Entspannen schwer.

Inzwischen häuften sich die Baumängel: Risse in den Wänden; Korosionsschäden an Säulen und Fensterrahmen; die hundert Meter lange Außenrutsche war kaputt; durch die Schwimmbaddecke (das Bad liegt in einem Anbau) tropfte das Wasser. Die Bademeister verteilten Eimer, um es aufzufangen. Der zunächst hochgepriesene Sandsteinboden im Schwimmbad wurde im Eingangsbereich schwarz vor Dreck, an anderen Stellen erschienen große Schimmelflecke, weil das Wasser, das die Badenden mit heraustrugen, nicht richtig ablaufen konnte. Einige Mängel wurden vom Eigentümer behoben, für andere machte er den Architekten verantwortlich. Die Stadt kürzte daraufhin die Miete, weil sie vom Eigentümer ein betriebsfertiges Bad gepachtet hatte. Jetzt streiten sich beide Parteien vor dem Landgericht.