Drahtlos sorgt der Bonner Regierungsfunk dafür, daß die Kabinettsmitglieder auch unterwegs erfahren, welche Sau daheim grade durchs Dorf läuft. So konnte Volker Rühe frühmorgens, auf dem Flug von Santiago de Chile nach Punta Arenas, der Südspitze, wie gewohnt schon sonntags die neueste Hamburger Magazingeschichte lesen, die von der CDU-Krise handelte. Um eine kurze Zusammenfassung gebeten, zuckte er mit den Schultern. Was soll schon drinstehen? „Endzeitstimmung und so ’n Scheiß.“

Die CDU-Malaise quält ihn nicht sehr. Der Verteidigungsminister, den die Partei nicht als Vize Kohls wollte, kümmert sich heute um seinen eigenen Kram: den Eurofighter und die Nachhutgefechte zum Jäger 90, Waigels „Finanzdiktat“ und die künftige Größe der Bundeswehr.

Unterwegs erreicht ihn auch die Nachricht mit den neuesten Bonner Umfragedaten, wonach eine Mehrheit die Bundeswehr gern 370000 Mann stark sähe. Da ertönt freudig sein Mecker-Lachen. Na bitte!

In Santiago erzählt er chilenischen Offizieren von der „inneren Führung“, vom „Bürger in Uniform“ und vom Grafen Staufenberg, der versucht habe, seinen obersten Feldherrn umzubringen und deshalb in Deutschland ein Held sei. Das mag den Obristen, deren oberster Vorgesetzter immer noch Exdiktator Pinochet ist, bizarr vorgekommen sein. Das Thema „demokratische Armee“ hat Rühe Spaß gemacht.

Er ist sichtlich gern Verteidigungsminister. Auf den Job konzentriert er sich aber so sehr, daß man meinen könnte, da schmollt einer. Möglich wär’s ja. Im Augenblick ist Rühe, der schon als „Kronprinz“ in spe gehandelt wurde, keine zentrale Spielfigur. Aber vielleicht ist das hilfreich. So mancher Reservist hat das Spiel seiner Mannschaft vor dem Schlußpfiff herumgerissen und damit gezeigt, daß er sein Geld wert ist. wap